Das Arbeitnehmermandat

Handbuch für die anwaltliche Praxis

Von Ralf Weinmann und Dr. Christian Schild, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 1. Auflage 2008, 423 Seiten, Preis: 68 Euro

Wie kaum ein anderes Rechtsgebiet wird das Arbeitsrecht aus dem Blickwinkel der Interessenjurisprudenz betrachtet. Auch namhafte Vertreter der arbeitsrechtlich tätigen Anwaltschaft halten es für erforderlich, sich auf die Wahrnehmung entweder von Arbeitgeber- oder der Arbeitnehmermandaten festzulegen. Der wesentliche Teil der arbeitsrechtlichen Literatur ist hingegen nicht hieran ausgerichtet.

Weinmann und Schild, Fachanwälte für Arbeitsrecht, haben nunmehr ein Handbuch vorgelegt, das helfen soll, gezielt Arbeitnehmermandate zu bearbeiten. In ihrem Vorwort weisen sie zu Recht darauf hin, dass diese Mandate für viele Rechtsanwälte wirtschaftlich willkommen sind, es aber – gerade für den Berufsanfänger und den nicht stetig mit arbeitsrechtlichen Fragestellungen befassten Anwalt – dringend erforderlich sei, das Arbeitsrecht als eigenständiges Rechtsgebiet in seinen Verzahnungen mit dem Prozessrecht und dem Sozialrecht zu verstehen.

Mit ihrem Handbuch geben sie dieser Zielgruppe ein umfassendes Kompendium an die Hand. Stets aus dem Blickwinkel des Anwalts, der die Interessen des Arbeitnehmers wahrnimmt, stellen sie die Problemkreise von der Anbahnung des Arbeitsverhältnisses über dessen Durchführung bis zur Beendigung dar. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und besondere Arbeitsverhältnisse (z.B. Ausbildung, Leiharbeit, Teilzeitarbeit) bleiben dabei ebenso wenig unberücksichtigt wie die praktisch besonders relevanten Fragen des Umgangs mit der Rechtsschutzversicherung. Stets im Blick haben die Verfasser die prozessuale Durchsetzung der Rechte des Arbeitnehmers und die sozialversicherungsrechtlichen Aspekte. Hilfestellung geben sie durch konkrete Formulierungshilfen. Sie geleiten den Anwalt auf diese Weise sicher durch das Mandat. Es ist evident, dass zugunsten der Lesbarkeit und Handhabbarkeit des Werks auf die Darstellung von Meinungsstreitigkeiten verzichtet werden musste. Ergänzend kommt der Rechtsanwender nicht umhin, einen Kommentar und die Rechtsprechung zu Rate zu ziehen. An der einen oder anderen Stelle mag man auch anderer Auffassung sein, so z.B. bei der Empfehlung gegen die rechtswidrige Ausübung des Direktionsrechts einen Unterlassungsantrag zu stellen. Hier wäre zumindest in einigen Fallgestaltungen an einen Leistungsantrag zu denken. Stets haben die Verfasser aber den – haftungsrechtlich vom Rechtsanwalt geforderten – sichersten Weg im Auge.

In ihrem Vorwort zitieren die Autoren das „Risiko Rechtsanwalt“. Mit dem Werk minimieren sie dieses Risiko für den Arbeitnehmer erheblich. Das Buch ist daher jedem Berufsanfänger und jedem Anwalt, der nicht regelmäßig mit arbeitsrechtlichen Fragen befasst ist, wärmstens ans Herz zu legen. Aber auch Rechtsanwälte oder Juristen in Personalabteilungen, die sich der Vertretung von Arbeitgeberinteressen verschrieben haben, können durch einen Blick auf die „andere Seite“ Gewinn für den Umgang mit ihren Mandaten gewinnen.

 

Dr. Bernhard Opolony,
München