Dieter Hundt

Mut zum Konflikt – Mut zum Konsens

Von Wolfgang Bok, Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2013, 160 Seiten, Preis: 19,95 Euro

Am 18. November wurde Prof. Dr. Dieter Hundt aus dem Amt des Arbeitgeberpräsidenten verabschiedet und zugleich sein Nachfolger, Ingo Kramer, gewählt. Das Porträt von Wolfgang Bok beleuchtet das Leben und Wirken dieses vielschichtigen Mannes. Ist Dieter Hundt wirklich der streitbare Lobbyist, der stets nur die Interessen des Kapitals im Blick hat? Oder ist er ein Taktiker, der klug strategische Bündnisse schmiedet, die letztlich allen dienen?
Als „Brückenbauer mit Sportsgeist“ und weniger als „harten Hundt“ sieht sich Dieter Hundt, der am 30. September seinen 75. Geburtstag feierte. Allerdings gibt er auch zu, dass er halbe Sachen weder macht noch mag. Hundt war u. a. Arbeitgeberpräsident und langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender des VfB Stuttgart.

Bok erzählt von Hundts Jugend und dem Aufwachsen als Kriegskind im schwäbischen Uhlingen, den Studienjahren in Zürich, den beruflichen Anfängen als Atommanager, seiner Karriere bis zum Chef und Retter der Allgaier Werke und seinem Weg zum streitbaren Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Niederlagen steckte der begeisterte Fußballfan mit Sportsgeist weg. Nie verlor er jedoch die Ziele aus den Augen: Lohnkosten bezahlbar halten, die Tarifautonomie gegen staatliche Bevormundung sichern und die Sozialpartnerschaft gegen Heißsporne verteidigen. Ob seiner Kompromissbereitschaft wurde Hundt von den Hardlinern im eigenen Lager mitunter als „Weichei“ verspottet. Doch in der Politik und selbst bei den Gewerkschaften wurde der langjährige Metall-Tarifverhandlungsführer als verlässlicher Partner geschätzt.

Fazit: Die Biografie des langjährigen (17 Jahre!) Arbeitgeberpräsidenten ist eine Zeitreise durch die deutsche Wirtschafts-, Sozial- und Tarifpolitik. Und sie ist ein Lehrstück für eine erfolgreiche Funktionärskarriere.