Handbuch Kündigungsrecht

 

Von Werner M. Mues, Ernst Eisenbeis und Dr. Jörg Laber, 2. neu bearbeitete Auflage, Verlag Dr. Otto Schmidt, Köln 2010, 1.344 Seiten, Lexikonformat, gbd., Preis: 99 Euro

Mitte September 2010 hat der Verlag die zweite, neu bearbeitete Auflage dieses Handbuchs herausgebracht. Angesichts der umfangreichen und vielfältigen Literatur über Kündigung und Kündigungsschutz stellt sich die berechtigte Frage, ob dieses Werk mit seinen circa 1.300 Seiten etwas Besonderes zu bieten hat.

Dass genau dies der Fall ist merkt der Leser, wenn er zu einem bestimmten Thema etwas sucht. Denn schon der Aufbau des Werks ist besonders: Die Darstellung folgt den einzelnen Kündigungsarten und den einzelnen Situationen bei Sonderkündigungsschutz, die jeweils in sich geschlossen behandelt werden. Dem steht eine Erläuterung der allgemeinen Grundsätze für die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses voran. Die Behandlung des Kündigungsschutzprozesses und der sozialversicherungsrechtlichen sowie der steuerrechtlichen Folgen der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses schließen das Werk ab.

Der Leser gewinnt schnell den Eindruck, dass es den drei Autoren ein Anliegen ist, ihn an ihren eigenen Erfahrungen aus jahrzehntelanger praktischer Tätigkeit als Fachanwälte für Arbeitsrecht teilhaben zu lassen. Sie konzentrieren sich auf diejenigen Probleme und Fragestellungen, die offenbar nach ihren eigenen Erfahrungen in der Praxis der Auseinandersetzung um eine Kündigung typischerweise eine Rolle spielen und sie lassen den Leser wissen, wo „der Schuh drückt“. Zusätzlich kann der Praktiker sich über zahlreiche Praxistipps, Beispiele und Formulierungsvorschläge freuen. Die ausführliche Darstellung der betriebsbedingten Kündigung stellt einen der Schwerpunkte des Buches dar. Dort wird der besondere Praxisbezug etwa bei der Behandlung der Anforderungen an die Unternehmerentscheidung, bei der Darstellung der Stolpersteine für die Anhörung des Betriebsrats oder der Sozialauswahl unter Berücksichtigung der neuesten Rechtsprechung zum AGG deutlich. Dabei ist – wie auch in den Praxistipps – mitunter eine gewisse Dominanz der Arbeitgeberperspektive spürbar. Wer etwa den Wegfall eines Arbeitsplatzes substantiiert rechtfertigen will, kommt an der zu Recht geforderten Vorher/Nachher-Darstellung (Teil 2 Rdnr. 248) nicht vorbei.

Erfreulich ist die eingehende Aufarbeitung und Dokumentation der aktuellen Rechtsprechung bis Juni 2010, die natürlich auch den EuGH einbezieht. Wer schließlich etwas zum Sonderkündigungsschutz für Datenschutzbeauftragte oder für Arbeitnehmer in Pflegezeit sucht, wird ebenfalls fündig. Mit einer erweiterten Darstellung der Aufhebungsvereinbarung und deren möglicher Inhalte und Gestaltung (Teil 1 ab Rdnr. 701 ff.) – mit einer Vielzahl von Musterformulierungen – haben die Autoren nun auch ein kleines Manko der ersten Auflage beseitigt.

 

Ralf Rath, Leiter Recht und Mitbestimmung,

GALERIA Kaufhof GmbH, Köln