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Anonyme Bewerbung: Der Kandidat, das unbekannte Wesen

20. August 2010

Erst wenn der Bewerber zum Vorstellungsgespräch antritt, weiß das Unternehmen, mit wem es zu tun hat. Das wünscht sich zumindest Familienministerin Schröder und geht in ihrem Ministerium mit gutem Beispiel voran.

Doch sie steht damit nicht allein, sondern ist Teil eines einjährigen Pilotprojekts der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Mit von der Partie sind außerdem fünf Unternehmen, die ebenfalls ab Herbst freiwillig verschiedene Modelle anonymisierter Bewerbungsverfahren erproben, um Herausforderungen und Vorteile kennenzulernen. Das Ziel: herausfinden, in welchem Bereich welches Modell praktikabel ist. Und damit das Ganze nicht im luftleeren Raum passiert, wird das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) das Projekt wissenschaftlich begleiten und evaluieren.
 
IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann zeigt sich denn auch überzeugt: „Von diesen Erfahrungen werden gerade auch die Unternehmen profitieren. Denn Diskriminierung ist mit Fehlentscheidungen verbunden, die Produktivität kosten und damit wirtschaftliche Nachteile bringen. So müssen sich angesichts der wachsenden Facharbeiterlücke auch solche Firmen verstärkt für Bewerber mit Migrationshintergrund öffnen, die sich bisher eher zurückgehalten haben. Außerdem wissen wir, dass multiethnisch aufgestellte Belegschaften viele Vorteile bringen, weil sich hier die Fähigkeiten der einheimischen Mitarbeiter mit den Erfahrungen internationaler Kräfte vorteilhaft ergänzen.“ Teil des Projekts sei es daher, zu überprüfen, ob Unternehmen von anonymen Bewerbungen auch wirtschaftlich profitieren.
 
Doch genau das bezweifelte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Ich halte von dieser Idee äußerst wenig. Der Aufwand, um neue Stellen zu besetzen, wird wesentlich größer. Allein die Zahl der Gespräche mit Bewerbern, die nach der ersten anonymen Bewertungsphase folgen müssten, würde steigen“, befürchtet Hundt.

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