Donnerstag, 2. Februar 2012

Anstieg der Tariflöhne und -gehälter in 2011

© PIXELIO/Gerd Altmann

Der Rubel rollt: Über durchschnittlich 2 % mehr Tariflohn durften sich die Beschäftigten letztes Jahr freuen – ein deutlich größeres Plus als noch im Jahr zuvor.

 Das hat das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ausgerechnet. Grund für den Geldsegen sei, dass sich die Mitarbeiter in einigen Branchen in 2011 über Tarifsteigerungen von 3 % und mehr hätten freuen dürfen. Gleichzeitig gehe der Trend weg von Pauschal- und Einmalzahlungen hin zu dauerhaften Tarifanhebungen. Allerdings habe das Füllhorn nicht für alle gleich viel ausgespuckt. Während sich die Angestellten im Bereich Private Dienstleistungen und Organisationen ohne Erwerbszweck über satte 2,8 % mehr hätten freuen dürfen, seien die Finanzdienstleister nur mit 1,1 % mehr in der Tasche nachhause gegangen. Darüber hinaus sähen die Tarifsteigerungen auf dem Papier besser aus als in der Realität: So hätten die Verbraucherpreise im vergangenen Jahr um 2,3 % zugelegt. Unter dem Strich sei daher ein realer Rückgang der Tariflöhne und -gehälter um durchschnittlich 0,3 % zu verzeichnen. „Der unerwartet starke Anstieg der Verbraucherpreise hat die Tarifsteigerungen in vielen Branchen wieder aufgezehrt“, kommentierte Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs, das Ergebnis.

Von den Lohn- und Gehaltstarifverträgen, die die DGB-Gewerkschaften im letzten Jahr abschlossen, hätten rund 9,2 Millionen Angestellte profitiert – ca.7,9 Millionen in den alten und 1,3 Millionen in den neuen Bundesländern. Im Schnitt habe man sich auf eine Laufzeit von 22,8 Monaten geeinigt und liege damit geringfügig unter dem Vorjahreswert von 24,3 Monaten. 7,4 Millionen Beschäftigte seien 2011 in den Genuss von Erhöhungen gekommen, die die Tarifparteien bereits im Jahr zuvor vereinbart hatten. Es bleibt abzuwarten, was die anstehenden Verhandlungen im öffentlichen Dienst (Bund, Gemeinden), in der Metall- und Elektroindustrie, im Bankgewerbe, in der chemischen Industrie, in der Textil- und Bekleidungsindustrie, im Kfz-Gewerbe, im Hotel- und Gaststättengewerbe und in verschiedenen Bereichen der Ernährungswirtschaft bringen. Verhandelt wird auch bei großen Unternehmen wie der Deutschen Telekom und bei Volkswagen. Die Tarifforderungen lägen zwischen 5 und 7 %.