Arbeitgeber sind gegen Altersteilzeit
Altersteilzeit pro oder contra – das war Thema einer Expertenanhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Bundestags.
Hintergrund sind ein Gesetzentwurf der SPD (BT-Drs. 17 /20) und ein Antrag der Linksfraktion (BT-Drs. 17/21), das Altersteilzeitgesetz, nach dem die Förderung der Altersteilzeit durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) am 31.12.2009 ausgelaufen ist, abzuändern. Dabei zeigte sich: Bei den Arbeitgeberverbänden und ihrer Bundesvereinigung (BDA), der BA, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) trifft das Ende der Altersteilzeit auf volle Zustimmung. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist dagegen für eine Verlängerung.
Die Experten von BA, IAB, BDA und ZDH machten deutlich, dass die Altersteilzeit faktisch zur Frühverrentung führe. Es habe sich herausgestellt, dass rund 90 % der Nutzer das Blockmodell wählen. „Das Ziel eines gleitenden Übergangs in den Ruhestand wurde nicht erreicht“, so das Fazit von Dr. Ulrich Walwei vom IAB. Außerdem fehlten wissenschaftlichen Belege dafür, dass Frühverrentungen gesamtwirtschaftlich gesehen die Jugendarbeitslosigkeit senken. Dafür stiegen dadurch die Kosten der Arbeit. Diese bezifferte die BA mit 1,3 Milliarden Euro pro Jahr.
Der ZDH wies überdies darauf hin, dass gerade die oft als Beispiel zitierten Dachdecker nur selten in Altersteilzeit gingen. Vielmehr subventionierten sie mit ihren Beiträgen große Unternehmen und Arbeitnehmer aus Büroberufen, bei denen Altersteilzeit viel verbreiteter sei. Dies bestätigten auch Untersuchungen des IAB, wonach nicht Arbeitnehmer, die hart körperlich arbeiten, Altersteilzeit nutzten, sondern vor allem Büromitarbeiter mit höherem Einkommen und Qualifikationen. Das IAB sieht daher die Gefahr, dass die Altersteilzeit den Fachkräftemangel noch verschärft.
Der DGB teilt diese Bedenken nicht. Er verweist auf die schwierige Arbeitsmarktlage sowohl für Ältere als auch für Jugendliche und junge Erwachsene: „Wenn Personalabbau nötig ist, dann ist die Altersteilzeit eine Möglichkeit, das sozialverträglich zu gestalten.“ Dem hielt der Sachverständige Prof. Axel Börsch-Supan entgegen, dass dies die Altersteilzeit zu einer Lohn- und Ausbildungssubventionierung mache. „Dann sollten wir darüber reden, das hat aber mit Altersteilzeit nichts zu tun“. Dr. Werner Eichhorst schätzt dementsprechend die Mitnahmeeffekte auf über 50 %.



