Mittwoch, 21. September 2011

Blaumacher: Ich nehm’ dann mal meine Herbstgrippe

© PIXELIO/sassi

Haben Sie schon geplant, wann Sie diesen Herbst und Winter bei der Arbeit krankfeiern? Nein, das ist kein Scherz, sondern für fast 3 % der Arbeitnehmer eine Selbstverständlichkeit.

So lautet das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Umfrage von TNS Emnid im Auftrag von boersennews.de. Danach seien bereits im Sommer 2,9 % der Arbeitnehmer entschlossen gewesen, ihren Urlaubsanspruch mit einer krankheitsbedingten Abwesenheit im Herbst bzw. Winter aufzubessern. 1,9 % der Befragten hätten sich noch unschlüssig gezeigt. Häufigster Grund für die vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit sei, sich „einem Konflikt in der Firma zu entziehen“. An zweiter Stelle bauten die Mitarbeiter vor, weil sie wüssten, dass sie in den dunklen Jahreszeiten unabhängig von ihrem Job immer Depressionen bekämen. Am dritthäufigsten hätten die Befragten angegeben, dass „es zu der Zeit weniger auffällt“. Aber es gebe auch immer noch genug, die einfach nur ihrem Arbeitgeber eins auswischen wollten. Aber was auch immer der Grund ist, verursache das Ganze nach Berechnungen von boersennews.de einen volkswirtschaftlichen Schaden von bis zu 1,24 Mrd. Euro.

 

Dabei plagt die Ostdeutschen wohl weniger das schlechte Gewissen, hätten hier doch mit 4,4 % deutlich mehr Arbeitnehmer ihr Blaumachen angekündigt als bei ihren westlichen Kollegen, wo „nur“ 2,5 % auf Kosten ihres Arbeitgeber pausieren wollten. Ferner gelte: Je höher die Bildung, desto pflichtbewusster die Beschäftigten. Allerdings ist der Unterschied minimal: Während bei den Mitarbeitern mit Volks- und Realschulabschluss 2,3 % planten, krankheitsbedingt freizunehmen, hegten bei den Akademiker und Arbeitnehmer mit Abitur nur 0,1 % weniger solche Vorsätze. Am faulsten seien darüber hinaus die unter 30-Jährigen. Hier dürfe der Sonderurlaub gerne etwas länger dauern, wohingegen sich die 30- bis 39-Jährigen schon mit drei Tagen bescheiden würden. „Die Studien-Ergebnisse sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Zahlen deuten einerseits auf ein zu geringes Unrechtsbewusstsein der Arbeitnehmer hin, andererseits sollten Arbeitgeber überlegen, ob in ihrer Firma vielleicht irgendwas nicht ganz rund läuft“, empfiehlt Dipl.-Psychologe Bernd Kielmann vom Hamburger Institut für Gruppendynamik und Systemprozesse Systhema.