Mittwoch, 13. Juni 2012

Der Ausbildungsmarkt wandelt sich zum Bewerbermarkt

© PIXELIO/Gerd Altmann

Rosige Zeiten für Azubis, nicht ganz so rosige Zeiten für Betriebe – aber unter dem Strich eine „roten Null bei den Neuverträgen 2012“. So lässt sich das Ergebnis der Ausbildungsumfrage 2012 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) auf den Punkt bringen.

Es sei davon auszugehen, dass die befragten 14.500 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen 25.000 neue Ausbildungsplätze dieses Jahr schaffen. „Der Ausbildungsmarkt entwickelt sich auch 2012 positiv“, stellte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann fest. Allerdings halte der Bewerbermarkt – demografiebedingt – nicht in gleichem Maße mit. „Für die Betriebe bedeutet dies: Trotz ihrer vermehrten Angebote wird der Bewerbermangel unter dem Strich zu einem leichten Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge führen“, so Driftmann.

Der DIHK geht von einer roten Null bei den Neuverträgen 2012 aus. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschiebe sich also zugunsten der Jugendlichen. Sie profitierten zudem davon, dass mehr und mehr Betriebe gewillt seien, ihre fertigen Azubis auch zu übernehmen. So hätten diesmal fast 60 % der befragten Unternehmen angegeben, sie beabsichtigten, ihre Lehrlinge nach Ende der Ausbildung weiterzubeschäftigen. Vor zwei Jahren hätten gerade einmal 46 % solche Pläne gehegt.

Doch all das nützt nichts, wenn man schon gar keinen Azubi findet. Gerade kleinen und mittleren Betriebe falle es schwer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. „Wer mehrere Jahre nacheinander keinen Azubi findet, der bietet mangels Erfolgsaussichten keine Plätze ehr an“, warnte Driftmann. Einer der Gründe hierfür sei, dass viele Jugendliche nicht über die nötige Ausbildungsreife verfügten. „Drei Viertel der Betriebe geben auch in diesem Jahr an, dass mangelnde Deutsch- und Mathekenntnisse oder fehlende Sozialkompetenzen der Bewerber die Ausbildung verhindern oder erschweren“, erklärte der DIHK-Präsident.

Von den ausbildenden Unternehmen bemühten sich bereits 57 %, schulische Wissenslücken bei ihrem Nachwuchs zu schließen. Nötig sei es daher, die Schulbildung zu verbessern, Bildungsstandards umzusetzen und mindestens zwei Pflichtpraktika in Betrieben während der Schulzeit einzuführen. Darüber hinaus gelte es, den Übergang zwischen Schule und Ausbildung zu optimieren und die Angebote an dualer Ausbildung und Weiterbildung bzw. dualer Studiengänge weiterzuentwickeln.