Mittwoch, 9. Mai 2012

Der Datenschutz könnte noch immer besser sein

© PIXELIO/Gerd Altmann

Pst, ich weiß etwas, was Du nicht weißt – was aber auch ich eigentlich nicht wissen dürfte, wenn mein Arbeitgeber den Datenschutz ernster nehmen würde. Das jedoch tun viele Unternehmen noch immer nicht.

Das meldet die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) als Ergebnis einer Umfrage unter 250 betrieblichen Datenschutzbeauftragten der 1.000 größten deutschen Unternehmen. Danach hätten 28 % mindestens einen Verstoß gegen den Datenschutz im letzten Jahr zu beklagen. Und das, obwohl 70 % der Befragten glaubten, Datenschutz nehme bei ihrem Arbeitgeber eine wichtige bzw. sogar sehr wichtig Stellung ein. Im Jahr 2010 sei gerade einmal die gute Hälfte der Datenschutzbeauftragten dieser Meinung gewesen. Allein bei den notwenigen Vorsichtsmaßnahmen hapere es: „Wir konstatieren nach wie vor, dass die Verstöße meist auf Unachtsamkeit und Unwissenheit zurückzuführen sind. Viele Mitarbeiter wissen noch nicht einmal, dass sie gegen Datenschutzrichtlinien verstoßen“, meint Birthe Görtz, Verantwortliche für das Thema Datenschutz bei PwC. Dieser Ansicht seien auch die Befragten: 70 % sähen einen zu sorglosen Umgang der Mitarbeiter mit Daten als Hauptursache für Verletzungen an. 60 % führten dies auf mangelnde Datenschutzkenntnisse zurück. Eher zu vernachlässigen sei dagegen der Datenklau. Nur 6 % befürchteten solche Vorkommnisse. Ein effizienterer Datenschutz scheitere auch nicht an fehlenden Mitteln. Drei Viertel der Datenschutzbeauftragten hielten ihr Budget für ausreichend. Knapp zwei Drittel könnten zudem nicht über Personalmangel klagen: Während sie 2011 noch mit durchschnittlich 1,9 Vollzeitkräften hätten auskommen müssen, seien es nun 2,3.

In argen Grenzen halte sich die Nutzung von internetbasierten Dienstleistungen. Bei gerade einmal 13 % der Befragten kämen Facebook, Twitter oder Google+ als direkte Werbeansprache zum Einsatz. Bei rund 60 % gebe es gar keine Social Plugins. „Cloud Computing“ verwendeten 15 % der Unternehmen. Vier von fünf Befragten hätten hier Sicherheitsbedenken. Für knapp 60 % sei das Ganze zu intransparent und es fehle an Rechtssicherheit.

Die geplante EU-Verordnung zur Harmonisierung der Datenschutzgesetze finde bei einer breiten Mehrheit von 64 % Anklang. Gut die Hälfte der Befragten erhoffe sich eine stärkere Sensibilisierung für den Datenschutz. Fast genauso viele hielten die Vereinheitlichung aus Wettbewerbsgründen für notwendig. Selbst die Erhöhung der Bußgelder fänden 44 % gut. Weniger begeistert sei die gleiche Anzahl dagegen vom erhöhten bürokratischen Aufwand, den sie auf sich zukommen sähen. Zwei Drittel lehnten zudem die geplante Ausnahmeregelung für kleinere Betriebe ab. Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern müssten demnach keinen Datenschutzbeauftragten berufen. „Nach Einschätzung der Datenschutzbeauftragten wird das Ziel des Gesetzgebers, die Stellung der Aufsichtsbehörde zu stärken, nicht erreicht. Dies wäre nicht nur für die Verbraucher schlecht, sondern auch für die Unternehmen, die den Datenschutz schon heute ernst nehmen“, glaubt Görtz.