Montag, 13. Februar 2012

Die Lage am Ausbildungsmarkt

© PIXELIO/Gerd Altmann

Paradiesische Verhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt – allein manchen potenziellen Azubis fehlt es gewaltig an Wollen und Können.

So lautet die Bilanz der Bundesregierung zum Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs im letzten Jahr. Danach könnten die Jugendlichen mittlerweile oft zwischen verschiedenen Lehrstellen wählen. Trotzt doppelter Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen und dem Ende der Wehrpflicht habe es 2,5 % weniger Bewerber gegeben. Aber was des einen Freud, ist des anderen Leid: Viele Unternehmen suchten händeringend nach Azubis. 75.000 Lehrstellen seien unbesetzt geblieben. Besonders hart treffe es die Gastronomie und den Einzelhandel, aber auch traditionelle Handwerksberufe, wie den des Bäckers. Unter dem Strich hätten die Betriebe dennoch 1,8 % mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Jahr zuvor. Von den 11.400 Jugendlichen, die am Stichtag 30.9. noch unvermittelt waren, sei die Hälfte bis Ende Januar nachträglich untergekommen. Dass es nicht mehr sind, liege auch daran, dass – wieder einmal – lediglich jeder Zweite den Einladungen der Kammern zu einem Nachvermittlungsgespräch gefolgt sei.

 

Der fehlende Nachwuchs mache sich mittlerweile auch gewaltig bei der Besetzung offener Stellen bemerkbar. Im Durchschnitt dauere es 68 Tage, bis Unternehmen einen Arbeitsplatz neu vergeben können. Vor zwei Jahren habe das noch in 58 Tagen geklappt. In Mangelberufen, wie Ingenieur, Arzt und Pfleger, seien Vakanzen von sogar drei bis fünf Monaten schon vollkommen normal.

Verstärkt werde das Nachwuchsproblem dadurch, dass jeder zweite Arbeitslose zwischen 25 und 35 Jahren keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen könne. Hier setzt die Einstiegsqualifizierung (EQ) an. Sie biete insbesondere jungen Menschen mit einem schlechten oder gar keinen Schulabschluss die Chance, in sechs bis maximal zwölf Monaten den Arbeitsalltag in einem Betrieb kennenzulernen. Unternehmen könnten im Gegenzug feststellen, über welche Fähigkeiten die Betreffenden verfügen. Im letzten Jahr hätten die Betriebe 25.600 EQ-Plätze angeboten, darunter erstmals 4.600 EQ-Plus-Plätze für besonders förderungsbedürftige Jugendliche.

Beim DIHK falle zudem am 22. Februar der Startschuss für eine überregionale Lehrstellenbörse, um in strukturschwachen Gebieten Unternehmen und Jugendliche noch besser und schneller zusammenzubringen.

 

Für die Zukunft hätten sich die Paktpartner vorgenommen, möglichst früh mit der Berufsorientierung anzufangen und diese auszubauen. Berufseinstiegsbegleiter sollen noch mehr Schüler ab dem vorletzten Schuljahr beim Übergang in die Ausbildung unterstützen. Mit der „Informationsoffensive „Berufliche Bildung – Praktisch unschlagbar“ wollen das Bildungs- und das Wirtschaftsministerium außerdem für die duale Ausbildung werben.