Freitag, 29. Juli 2011

Gesetzliche Unfallversicherung zieht Bilanz

© PIXELIO/Rike

Die Wirtschaft boomt und mit ihr die Zahl der Beschäftigten. Kein Wunder, dass es dann auch wieder mehr Arbeitsunfälle gibt. Trotzdem ist unter dem Strich das Risiko, bei der Arbeit zu Schaden zu kommen, letztes Jahr leicht gestiegen.  

So lauten die Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, die die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) nun vorgelegt hat. Danach sei die Gefahr, bei der Arbeit Opfer eines Unfalls zu werden, letztes Jahr auf 25,8 Unfälle pro 1.000 Vollarbeiter gestiegen. In 2009 habe die Quote noch 24,3 Unfälle je 1.000 Vollarbeiter betragen. Allerdings seien 2008 sogar 26,8 Arbeitsunfälle zu beklagen gewesen. Für 519 Mitarbeiter sei darüber hinaus jede Hilfe zu spät gekommen – eine Zunahme der Todesfälle um 63 mehr im Vergleich zu 2009. „Wenn die Wirtschaft brummt, dann lässt das leider nicht nur die Kasse klingeln“, kommentierte Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der DGUV, das Ergebnis. „Ein höheres Arbeitstempo lässt auch das Unfallrisiko steigen.“ Als Gegenmittel empfiehlt die gesetzliche Unfallversicherung, in den Arbeitsschutz zu investieren und vor allem ihn in alle Betriebsabläufe zu integrieren. „Gerade kleinere und mittlere Betriebe tun gut daran, auf die kostenfreien Angebote der Unfallversicherung in der Prävention zurückzugreifen. Sonst geht der Aufschwung auf Kosten der Gesundheit und damit auch zu Lasten des langfristigen Unternehmenserfolgs.“ 

Doch nicht alles liege in der Hand der Unternehmen. Zum Teil gehe der Anstieg der Unfallzahlen auch auf die Schnee- und Eisglätte Anfang letzen Jahres zurück. Vor allem die Logistik und Verkehrswirtschaftsbranche, aber auch Postboten oder Zeitungsträger hätten stark unter den Witterungsbedingungen gelitten. So manches gebrochene Bein auf dem Weg zu Arbeit gehe auf dieses Konto. Insgesamt seien von den Versicherten 25,4 % mehr Opfer der winterlichen Rutsch- und Sturzgefahr geworden als noch 2009. 367 Wegeunfälle hätten zudem einen tödlichen Ausgang genommen – fünf mehr als 2009.

Ein deutlicher Anstieg von 22,1 % sei dagegen bei den bestätigten Berufskrankheiten zu verzeichnen, was allerdings auf einer veränderten Verwaltungspraxis beruhe. „Bei einem Großteil der bestätigten Berufskrankheiten handelt es sich um Hautkrankheiten. Bislang wurden erfolgreich behandelte Hautkrankheitsfälle als abgelehnte Berufskrankheiten gezählt. Diese Praxis wurde jetzt korrigiert“, erklärte Breuer. 2.486 Menschen – und damit 10,2 % weniger als im Vorjahr – hätten in 2010 infolge einer Berufskrankheit ihr Leben verloren. Hauptursache seien anorganische Stäube, insbesondere Asbest.

Arbeitgeber hätten letztes Jahr in der gewerblichen Wirtschaft 9,8 Milliarden Euro für das Umlagesoll der Berufsgenossenschaften aufbringen müssen – ein Plus von 3,7 %. Grund seien höhere Aufwendungen für Heilbehandlung und Rehabilitation gewesen. Damit habe sich der durchschnittliche Beitragssatz der Unternehmen zu den Berufsgenossenschaften von 1,31 auf 1,32 % je 100 Euro beitragspflichtiges Entgelt erhöht. Der Umlagebeitrag der öffentlichen Hand sei dagegen nur leicht um 1,3 % gestiegen.