Dienstag, 8. Mai 2018

Hat der klassische Lebenslauf ausgedient?

Quelle: pixabay.com

Kandidaten haben Zweifel daran, dass ihre entscheidenden Stärken im klassischen Bewerbungsprozess zum Tragen kommen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Wer sich um eine neue Anstellung bewirbt, ist meist im klassischen Bewerbungsprozess gefangen. Nach der Stellensuche folgen Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und Qualifikationen, die dem Unternehmen zugesandt werden. Vor allem der klassische Lebenslauf, so zeigen sich die Job-Anwärter größtenteils überzeugt, identifiziert nicht die Stärken des Bewerbers. So verpassen zahlreiche Arbeitgeber in Deutschland geeignete Talente auf dem Arbeitsmarkt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „HiddenTalents“, die der Video-Recruiting Anbieter viasto gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen respondi durchgeführt hat. Etwa zwei Drittel der Kandidaten (62 %) glauben, dass wenigstens eine ihrer letzten Bewerbungen daran scheiterte, dass ihre Eignung für die Stelle in der Bewerbung nicht ausreichend transportiert wurde.

Mehr als jeder fünfte Aspirant nimmt Abstand von einer erneuten Bewerbung beim gleichen Unternehmen, das ihn zuvor ablehnte. Aus Sicht der Bewerber ist der klassische Lebenslauf ungeeignet, um die persönlichen Stärken zu vermitteln. Für 32 % der Befragten sei der CV sogar mangelhaft oder ungenügend, so die Studie.
„Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf und Arbeitszeugnisse sind keine geeigneten Stilmittel mehr, um passende Mitarbeiter zu finden. Sie listen nur Stationen und vermeintliche Fachkenntnisse auf. Über die persönliche Eignung sagen sie dagegen nichts aus. Das führt zu einer immer größer werdenden Anzahl von ‚Hidden Talents‘ – also eigentlich geeigneten Bewerbern, die aber über klassische Selektionsprozesse nicht mehr erkannt werden. Aber genau das können sich Arbeitgeber vor dem Hintergrund des Mangels an Fachkräften eigentlich nicht mehr leisten“, erklärt viasto-Geschäftsführer Martin Becker das Ergebnis.

Während beim Arbeitgeber vor allem fachliche Kenntnisse gefragt sind, sehen die Kandidaten hier eine Diskrepanz zu den sog. Soft Skills. Die nicht-fachlichen Fähigkeiten finden laut 56 % der Studienteilnehmer zu wenig Beachtung. Empathische Eigenschaften sollten demnach mehr Gewicht haben. Vor allem junge Berufseinsteiger und Fachkräfte sind von dem Missverhältnis und der daraus resultierenden Ablehnung überzeugt. Die job-spezifische Motivation steht laut Umfrage für jeden Zweiten zu wenig im Fokus der Arbeitgeber. Die Bewerber selbst gleichen zwar auch zuerst die fachlichen Anforderungen des Stellenprofils mit ihren eigenen Kenntnissen ab, informieren sich danach aber (31 %), ob sie auch charakterlich in die Firma passen. Schließlich stellen die finanziellen Rahmenbedingungen für 29 % ein entscheidendes Kriterium dar.

In Schulnoten ausgedrückt, würde der klassische Lebenslauf bei der Frage, wie gut er die Persönlichkeit eines Bewerbers transportiert, von den Studienteilnehmern lediglich eine schwache 3,6 als Durchschnittsnote erhalten. Frauen vergaben sogar nur eine 3,8, während das persönliche Gespräch mit Note 1,7 bei allen Befragten punkten konnte. Je jünger der Bewerber, desto mehr rücken digitale Lösungen in den Mittelpunkt.

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