Freitag, 16. März 2012

Ingenieure fehlen – fehlen nicht – fehlen …

© PIXELIO/Margot Kessler

Mehr Ingenieure braucht das Land – oder etwa doch nicht? Darüber gehen die Meinungen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) kräftig auseinander.

 

 

So meldet der VDI für Februar 2012 mit 105.700 freien Ingenieurstellen einen Höchststand. Die Fachkräftelücke habe damit erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen im VDI-/IW-Ingenieurmonitor im August 2000 die 100.000er-Grenze überschritten. „Die anhaltend hohe Arbeitsmarktnachfrage führt dazu, dass sich die Ingenieurengpässe auf hohem Niveau verstetigen“, warnt IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös. Ganz anders sieht dies jedoch Karl Brenke vom DIW Berlin. „In den letzten Jahren hat es einen regelrechten Run auf ingenieurwissenschaftliche Studienplätze gegeben“, behauptet der DIW-Arbeitsmarktexperte. So hätten im Jahr 2010 rund 50.000 Studenten einen industrienahen Ingenieurstudiengang abgeschlossen. „Allein die Absolventen, die gegenwärtig aus den Unis kommen, können den Gesamtbedarf an Ingenieuren decken.“ Brenke appelliert daher, die Nachfrage nach Ingenieuren für das laufende Jahrzehnt realistischer zu betrachten: „Der gegenwärtige Run auf ingenieurwissenschaftliche Studienplätze lässt eher ein Überangebot an solchen Fachkräften erwarten. Der Berufseinstieg kann für junge Ingenieure zunehmend schwierig werden, wenn es eine Absolventenschwemme gibt.“

 

Eine solche sieht der VDI auf weiter Flur nicht. Er begrüßt es daher, „dass nun auch die Expertenkommission der Bundesregierung für Forschung und Innovation vor den Gefahren der Arbeitsmarktengpässe bei technisch-naturwissenschaftlichen Qualifikationen für den Innovationsstandort Deutschland warnt“, so Fuchs. Mit 35.300 unbesetzten Stellen fehlten am meisten Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure. Aber auch 22.000 Elektroingenieure würden händeringend gesucht. Am schmerzlichsten spürten Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern den Mangel.