Mittwoch, 19. Juni 2013

Mehr Mut zur Teilzeitarbeit

(c) Kurt Michel / pixelio.de

Produktionsunternehmen in Deutschland werden in Zukunft auf breiter Ebene flexible Arbeitszeitmodelle und verstärkt auch Teilzeit anbieten, um ihren Arbeitskräftebedarf erfolgreich zu decken. Das ist eine zentrale Aussage beim jüngsten Fachkolloquium des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) in Düsseldorf.

Getrieben wird dieser Trend zum einen von einem veränderten Bedürfnis der jungen Generation, die über die Entlohnung hinaus größeren Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance legt“, erklärte ifaa-Direktor Professor Dr.-Ing. Sascha Stowasser bei dieser Fachveranstaltung. Zum anderen seien flexible Arbeitsmodelle erforderlich, damit auch ältere Menschen weiter aktiv in einem Produktionsberuf bleiben können, deren individuelle Leistungsfähigkeit einer Vollzeitstelle möglicherweise nicht mehr gerecht wird. „Wir müssen und können mit arbeitswissenschaftlicher Unterstützung Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen bis tief ins siebte Lebensjahrzehnt hinein beruflich und wertschöpfend aktiv bleiben“, betonte Professor Stowasser. Ausdrücklich ermutigte er auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), sich mit Arbeitszeitflexibilisierung zu befassen. „Das ist eine wichtige Zukunftsfrage des Employer Branding im härteren Wettbewerb um Arbeitskräfte.“
Übrigens: Das ifaa baut derzeit eine Datenbank mit Best-Practice-Beispielen auf, an denen sich KMU orientieren können.

Über Teilzeitmodelle in der Produktion denkt aktuell auch die BMW Group nach, die seit den 90er-Jahren eine Vorreiterin flexibler Arbeitszeitmodelle ist. Marc Groenninger, Leiter Arbeitszeitsysteme, verweist z. B. auf Frauen, die sich wegen der Geburt eines Kindes aus dem Job zurückgezogen haben. Jene sehen wohl im Schichtsystem bis dato keine Chance für sich. Laut Groenninger wäre aber eine dortige Verwendung u.a. in Pausendurchläufen möglich. Die Stammbelegschaft geht in die Pause, und Teilzeitkräfte füllen die Lücken, sodass der Betrieb weiterarbeiten kann.

BMW-Konzernzahlen belegen, dass der Bedarf an Flexibilisierungsmaßnahmen ständig steigt und die Belegschaften davon auch Gebrauch machen. Im Jahr 2012 nahmen 514 von rund 80.000 Mitarbeitern deutschlandweit die Möglichkeit eines Sabbaticals in Anspruch. Die Teilzeitquote erhöhte sich in den vergangenen fünf Jahren von 4,2 % (2007) auf 5,4 % (2012).