Freitag, 28. Juni 2013

Rente mit 67: Zweifel am Durchhaltevermögen

(c) Rainer Sturm / pixelio.de

Die Rente mit 67 wird unterlaufen, zumindest von denen, die es sich leisten können. Das gilt, solange die betrieblichen Voraussetzungen für alternsgerechtes Arbeiten fehlen. Damit gehen Unternehmen wichtige Fachkräfte vorzeitig verloren.

Dieses Fazit zogen Prof. Dr. Michael Behr, Abteilungsleiter im Thüringer Wirtschaftsministerium, und Anja Hänel von der Universität Jena in ihrer Pilotstudie, die auf einer Befragung von 101 qualifizierten bzw. hoch qualifizierten Beschäftigten in Jena beruht, einer der deutschen Städte mit den höchsten Akademikerquoten.

Zwar identifizieren sich die Befragten besonders mit ihrem Beruf – für drei Viertel leistet die Arbeit einen hohen Beitrag zum Lebensglück. Sie erfüllen anspruchsvolle Aufgaben, „fühlen sich als Person anerkannt“ und sehen die Firma als „produktive Leistungsgemeinschaft“. Allerdings heißt das laut Behr und Hänel nicht, dass der Beruf keine Belastung darstellt. „Trotz positivem Leistungsbegriff und hoher Arbeitszufriedenheit empfinden die Angestellten bereits in den 50ern, dass ihnen die Arbeit nicht mehr so leicht von der Hand geht“, so die beiden Wissenschaftler. Ursache seien die – unabhängig vom Alter – gleich bleibend hohen Leistungsanforderungen, die an die höher qualifizierten Angestellten gestellt werden. Tendenziell gaben Frauen bereits etwas früher an, dem Leistungsdruck immer weniger standhalten zu können, was den Forschern zufolge an der Mehrfachbelastung durch berufliche und familiäre Arbeit liegen könnte. Ein Drittel kann sich nicht vorstellen, den Job bis zur Rente durchzuhalten. Bei den Männern ist es jeder Fünfte.

Fast 60 % der Befragten planen, vor dem gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand zu gehen. Und sie freuen sich darauf, endlich die Dinge nachholen zu können, für die im stressigen Berufsalltag keine Zeit blieb. Drei Viertel der 60-Jährigen unter den Befragten glauben, dass es ihnen besser gehen wird, wenn sie erst in Rente sind.
Eine verstärkte Rücksichtnahme auf Ältere attestierten ihrem Arbeitgeber nur 16 % aller Befragten. Vielmehr werde in vielen Betrieben und Einrichtungen bisher ein gesteigerter Verschleiß der Arbeitskräfte in Kauf genommen.