Dienstag, 28. März 2017

Schlechte Führung verursacht 105 Milliarden Euro Schaden

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Die stabile Konjunktur und ein Mangel an Fachkräften sorgen für hohes Engagement in Sachen Mitarbeiterbindung auf Seiten der Arbeitgeber. Nichtsdestotrotz sind gerade einmal 15 % der deutschen Arbeitnehmer mit „Herz und Verstand“ bei der Arbeit. Die gleiche Anzahl von Beschäftigten hat innerlich bereits gekündigt und die restlichen 70 % machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Sie alle sind emotional gering gebunden. Der wesentliche Treiber für diese Entwicklung ist das Führungsverhalten des direkten Vorgesetzten. Hier klaffen die Wünsche der Belegschaft und die Wirklichkeit im Betrieb weit auseinander, was jährlich Kosten für die deutsche Volkswirtschaft i. H. v. 105 Milliarden Euro bedeutet. Das geht aus dem Gallup Engagement Index 2016 hervor. Die Studie wird seit 2001 jährlich erstellt und untersucht den Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern, was Rückschlüsse auf die Motivation im Job zulässt.

Mit sich selbst und ihrem Leben sind die Deutschen zufrieden. Die ökonomische Lage bewerten sie als gut und sie fürchten sich kaum um ihren Arbeitsplatz. Sie würden sogar dann weiter arbeiten, wenn sie nicht auf das Geld angewiesen wären, sagen 77 %. Gleichzeitig fehlt aber die emotionale Bindung zum aktuellen Arbeitgeber. Das hat direkte Auswirkungen auf Fehlzeiten, Produktivität, Rentabilität, Qualität und Kundenbindung. Eine Fehlentwicklung bei diesen Wettbewerbsfaktoren führt zu dem eingangs bezifferten volkswirtschaftlichen Schaden. Oft mangelt es den Betroffenen an Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein. Zudem schweigen sie zu sichtbaren Fehlentwicklungen. Fast jeder zweite Mitarbeiter ohne emotionale Bindung zum Unternehmen hat in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal gegenüber seinem Vorgesetzten zu schweren Bedenken geschwiegen.

Was die Lage für Arbeitgeber noch verschärft: Eine hohe Fluktuation in der Belegschaft. Den „Jobhoppern“ kommt dabei die gute konjunkturelle Lage sehr gelegen. Fast zwei Drittel der Befragten glauben an gute bis sehr gute Chancen, im Falle eines Jobverlusts schnell eine neue Stelle zu finden. Marko Nink von Gallup merkt hierzu an: „Die Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt haben sich gedreht. Früher suchten qualifizierte Bewerber nach Stellen, heute suchen Unternehmen händeringend nach qualifizierten Bewerbern. Der Wettbewerb um die besten Köpfe wird immer härter“.

Um die Wechselwilligkeit zu unterbinden und Mitarbeiter zu halten, müssen Arbeitgeber an den richtigen Stellen ansetzen. Ein wichtiger Hebel zur Bindung der Beschäftigten ist die Verbesserung der Führungsqualität von Vorgesetzten. Gerade einmal jeder fünfte Arbeitnehmer sagt, dass ihn die Führung, die er im Berufsalltag erlebt, auch motiviert, hervorragende Arbeit zu erbringen. 18 % der Mitarbeiter haben in den vergangenen zwölf Monaten wegen des Verhaltens des direkten Vorgesetzen über eine Kündigung nachgedacht und 69 % bestätigen, dass sie in ihrem Berufsleben bereits mit mindestens einer schlechten Führungskraft zusammenarbeiten mussten.
Spannend ist in diesem Zusammenhang die folgende Zahl: 97 % der Chefs halten sich selbst für eine gute Führungskraft und sehen keine Defizite. Entsprechend niedrig ist die Weiterbildungsquote innerhalb dieses Personenkreises. Im vergangenen Jahr haben gerade einmal 40 % an qualifizierenden Maßnahmen zum verbesserten Umgang mit Mitarbeitern teilgenommen.
Letztlich hakt es auch in Sachen Feedbackkultur. Dabei ist der regelmäßige Dialog ein wichtiges Instrument für die Bindung. Dennoch hat nur etwa jeder zweite Studienteilnehmer im letzten Jahr mit seinem Vorgesetzten über die eigenen Leistungen gesprochen. Lediglich 14 % stehen im kontinuierlichen Austausch mit der Führungskraft. Nink bemängelt das, denn „es ist Aufgabe einer Führungskraft, die individuellen Leistungspotenziale der Mitarbeiter freizusetzen und zur Entwicklung des Einzelnen beizutragen. Es gilt herauszufinden, was ein Mitarbeiter gut kann und mag und wie er dementsprechend eingesetzt werden kann“. Dies lasse sich am besten in einem Gespräch herausfinden.