Mittwoch, 5. Oktober 2016

So gewinnt man das Vertrauen der Mitarbeiter zurück

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Mehr als die Hälfte der Angestellten weltweit hat kein Vertrauen in den Arbeitgeber oder den direkten Vorgesetzten, das jedenfalls will eine Studie von Ernst & Young (EY) herausgefunden haben. Hierzu hat man knapp 10.000 Beschäftigte aus Brasilien, China, Deutschland, Indien, Japan, Mexiko, Großbritannien und USA befragt. Aus Deutschland haben 1.226 Arbeitnehmer teilgenommen – und sie sind noch skeptischer als die Kollegen im Rest der Welt: Hierzulande vertrauen nur 44 % ihrem Unternehmen (global sind es 46 %). Das Vertrauen in die Vorgesetzten ist zwar etwas größer (47 %), liegt aber auch unter dem Durchschnitt (49 %). Dafür vertrauen 51 % ihren Kollegen im Team, das wiederum ist ein vergleichsweise hoher Wert (weltweit liegt er bei 49 %).

Als Gründe für die schlechten Werte sehen die Befragten der acht Länder eine generell unfaire Bezahlung (53 %) und mangelnde Chancengleichheit bei Bezahlung und Beförderung (48 %). Zudem bemängeln sie Defizite bei der Führung (46 %) sowie hohe Fluktuation und das Versäumnis, ein kollaboratives Arbeitsumfeld zu schaffen (jeweils 43 %). Viele Mitarbeiter ziehen deshalb wenig erfreuliche Konsequenzen: Entweder wechseln sie den Job bzw. denken darüber nach (42 %) oder sie machen nur noch „Dienst nach Vorschrift“ (30 %). Knapp ein Drittel gab sogar zu, weniger engagiert und produktiv zu sein. Qualität wird für ein Viertel zur Nebensache und nahezu ebenso viele sprechen gegenüber Kollegen oder Bewerbern negativ über das eigene Unternehmen.

Was also bringt das Vertrauen zurück? An erster Stelle nennen die Betroffenen das Einhalten von Versprechen (67 %), für deutsche Arbeitnehmer ist das als vertrauensbildender Faktor mit einer Zustimmung von 73 % sogar noch wichtiger. Ebenso hoch bewertet werden im Bundesgebiet die Arbeitsplatzsicherheit und eine gerechte Bezahlung (65 %). Weiterhin fordern über die Hälfte mehr Offenheit und Transparenz ein. International kann man mit einem vielfältigen Arbeitsumfeld punkten.
Ana-Christina Grohnert von EY Deutschland mahnt: „Vertrauen der (…) Mitarbeiter gibt es nicht frei Haus. Vielmehr ist es an bestimmte Rahmenbedingungen geknüpft. (…) Mitarbeiter wollen fair und gerecht behandelt werden“. Dazu gehörten aus ihrer Sicht Wertschätzung und Offenheit im Umgang sowie Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und Bewertungen. „Insgesamt gilt: Wer Leistung einfordert, muss auch ein Umfeld schaffen, in dem Menschen gerne Leistung erbringen. Eine wertorientierte Führung wird immer mehr zum Gradmesser für eine zukunftsorientierte Unternehmenskultur, in der sich Menschen produktiv entfalten können.“