Donnerstag, 29. Oktober 2009

Starke Manager braucht das Land

Führungskräfte als Vorbild – Ihre Glaubwürdigkeit ist mehr gefragt als Risikobereitschaft. Bei der Wahl eines neuen Unternehmens wünschen sich Manager vor allem Gestaltungsspielräume. Halten sie sich an die Unternehmenswerte, haben sie nicht nur bessere Karrierechancen, sondern über ihre Vorbildfunktion auch positiven Einfluss auf das Mitarbeiterengagement. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Online-Umfrage des Karrieredients Experteer und der Beratung für Unternehmenskultur stadler/heinle/schott/ bei 356 Personalberatern, Personalverantwortlichen und Führungskräften.

Angesichts der Wirtschaftskrise richtet sich in den Unternehmen und in der öffentlichen Diskussion das Augenmerk auf die Führungskräfte. Die Umfrage zeigt, dass einer werteorientierten Führung große Bedeutung beigemessen wird. Entsprechend wird Glaubwürdigkeit mit großem Abstand als wichtigstes Führungsprinzip genannt (83 % volle Zustimmung). Darauf folgen Begeisterungsfähigkeit (65 %) und Entschlusskraft bzw. Konsequenz (64 %). Risikobereitschaft ist mit 14 % das Führungsprinzip, das am seltensten als wichtig erachtet wurde.
 
Vor dem Hintergrund der Boni-Diskussion gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Faktoren am meisten das Mitarbeiter-Engagement beeinflussen. Bei den Befragten herrscht weitgehend Einigkeit: Die größte Wirkung wird erzielt, wenn die Leistungen der Mitarbeiter wertgeschätzt werden (77 % volle Zustimmung) und Führungskräfte die Unternehmenswerte vorleben (73 %). Dass materielle Anreize das Engagement fördern, können nur 10 % der Umfrageteilnehmer voll bestätigen.
Vor allem komplexe Veränderungssituationen erweisen sich als Lackmustest für die Führungskultur: 63 % der Befragten stimmen der These voll zu, dass gerade in diesen Phasen die Vorbildfunktion der Führungskräfte auf dem Prüfstand steht, weitere 33 % stimmen dem z. T. zu. Für 87 % (davon 50 % volle Zustimmung) steht fest, dass sich Veränderungen nur in solchen Organisationen gut meistern lassen, in denen Führungskräfte bei sich selbst den Anfang machen. 31 % der Befragten stimmen der These voll zu, dass eine an den Unternehmenswerten ausgerichtete Führung die Karriere fördert, weitere 56 % stimmen z. T. zu.
 
Bei der Wahl eines Unternehmens geht es den Führungskräften vor allem um die Frage, ob sie dort Gestaltungsspielraum haben. 84 % (davon 27 % volle Zustimmung) nennen dies als vorrangiges Entscheidungskriterium. „Dieses Ergebnis ist in Zeiten, in denen um die Höhe von Managergehältern und Antrittsprämien diskutiert wird, nicht hoch genug zu bewerten. Führungskräfte wollen in erster Linie Freiräume nutzen, um das Unternehmen gestalten zu können“, sagt Jürgen Schott, Geschäftsführer von stadler/heinle/schott/.  
Dass umgekehrt Bewerber vor allem danach ausgesucht werden, ob sie in das Wertesystem der Unternehmen passen, bestätigen immerhin 58 % der Befragten.. „Aus Unternehmenssicht spielen Cultural Fit und Werteverständnis bei der Auswahl von Führungskräften eine immer größere Rolle, insofern sollten diese Faktoren auch nicht unterschätzt werden“, so Dr. Christian Göttsch, Geschäftsführer von Experteer. Unternehmen könnten es sich gar nicht leisten, ausschließlich fachliche Qualifikationen bei der Kandidatenauswahl zu berücksichtigen. Langfristiger wirtschaftlicher Erfolg sei nur mit Führungskräften zu erzielen, die sich vollständig mit dem Wertesystem des Unternehmens identifizieren und sich daran messen lassen.
 
Zum Thema „Anforderungen an Führungskräfte“ erscheint demnächst auch ein Beitrag in AuA 11/09.