Dienstag, 7. Mai 2013

Tarifvertrag oder nicht Tarifvertrag, das war hier die Frage

© Gerd Altmann/ pixelio.de

Lieber mit oder ohne? Die Rede ist von der Tarifbindung. Und zumindest aus Arbeitnehmersicht dürfte die Antwort lauten: lieber „mit“. Denn in vielen Bereichen stehen Beschäftigte, deren Arbeitsverhältnis unter einen Tarifvertrag fällt, besser da.

Die Tarifbindung beschert ihnen ein höheres Monatseinkommen, häufigere Gehaltserhöhungen und mehr Weiterbildung. Das meldet das WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung als Ergebnis einer Umfrage des Internetportals www.lohnspiegel.de unter mehr als 52.000 Beschäftigten.

„Tarifverträge sorgen für deutlich bessere Arbeits- und Einkommensbedingungen. Beschäftigte mit Tarifvertrag sind mit ihrer Arbeit und mit ihrer Bezahlung zufriedener als ihre Kolleginnen und Kollegen ohne Tarifvertrag“, sagt Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des Tarifarchivs.

So dürfen sich Mitarbeiter mit Tarifvertrag nach den Lohnspiegel-Daten im Durchschnitt über 3.279 Euro im Monat freuen. Damit landen bei ihnen etwa 660 Euro mehr im Portmonee als bei ihren Kollegen ohne Tarifbindung.

Zudem profitieren nicht nur die unteren Lohngruppen. Vergleicht man diejenigen, die im oberen Viertel der Einkommensskala liegen, bei denen also 75 % der Beschäftigten weniger verdienen und 25 % mehr, liegt der Tariflohn knapp 900 Euro über dem Lohn desjenigen, der nicht tariflich bezahlt wird.

Darüber hinaus wird rund 62 % der Beschäftigten mit Tarif die freie Zeit durch ein Urlaubsgeld versüßt. Bei den „Tariflosen“ gehören nur gut 39 % zu den Begünstigten. Noch deutlicher zeigt sich die Lücke beim Weihnachtsgeld: Sie beträgt 72 gegenüber 46 %. Gut 27 % der Tarifbeschäftigten partizipieren ferner über eine Gewinnbeteiligung. Ohne Tarif sind es nur 19 %.

Auch bei den Lohnerhöhungen haben die Tarifgebundenen die Nase vorn. 52 % gaben an, ihr Lohn oder Gehalt sei in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung gestiegen. Bei denjenigen ohne Tarifbindung waren es dagegen lediglich 34 %.

Bei der Weiterbildung liegen ebenfalls die Tarifbeschäftigten vorn: 56 % durften sich im Jahr vor der Befragung weiterqualifizieren. Bei den Tariflosen meinten das nur 40 %.

Doch all das scheint die gewerkschaftlich vertretenen Mitarbeiter nicht unbedingt glücklicher zu machen. Als es an die Frage nach ihrer Zufriedenheit auf einer Skala von 1 (gar nicht zufrieden) bis 5 (in jeder Hinsicht zufrieden) ging, kamen sie gerade einmal auf einen Durchschnittswert von 3,7. Die Arbeitnehmer ohne Tarif dagegen fühlen sich mit einer 3,5 sogar zufriedener. Nur bei der Bezahlung hapert es. Hier waren die „Tarifler“ mit 2,5, gegenüber 3,1 deutlich zufriedener.