Dienstag, 24. September 2013

Unternehmen heben nicht das Potenzial von qualifizierten Zuwanderern

(c) Arno Bachert / pixelio.de

Viel zu wenig deutsche Unternehmen begeben sich auf die Suche nach Fachkräften außerhalb der hiesigen Landesgrenzen, obwohl Deutschland zu den Ländern mit den besten Voraussetzungen für die Einstellung von ausländischen Talenten besitzt. Dies geht aus einem Dossier der Initiative „Charta der Vielfalt e.V.“ hervor, wonach lediglich 5 % der deutschen Unternehmen weltweit Fachkräfte suchen. Die Autoren, die insgesamt 29 Einzelstudien ausgewertet haben, stammen u.a. von der OECD, dem Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) und dem Forschungsinstitut betriebliche Bildung (f-bb).

Deutsche Unternehmen haben laut Dossier hervorragende Bedingungen zur Einstellung von Fachkräften aus aller Welt, so gibt es Blue Card, Reformen im Zuwanderungsrecht und Anerkennungsgesetze für ausländische Bildungsabschlüsse. Damit bestehen laut OECD in Deutschland die geringsten Hürden. Dennoch werden auch hier lebende Migranten von der Wirtschaft nicht richtig eingesetzt, so sind nahezu drei Viertel der Akademiker für ihre ausgeübte Position überqualifiziert. Aletta Gräfin von Hardenberg, Geschäftsführerin des Charta der Vielfalt e.V., stellt fest: „Das ist paradox. Einerseits sollen qualifizierte Zuwanderinnen und Zuwanderer die Fachkräftelücke schließen. Andererseits kann die Wirtschaft mit diesem Potenzial nichts anfangen.“

Eine berufliche Perspektive sehen nur wenige Zuwanderer. So sind im Jahr 2012 über eine Millionen Migranten neu nach Deutschland gekommen, gleichzeitig aber auch 712.000 wieder abgewandert. Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den ausländischen Studenten ab. Ganze 75 % würden gern hier bleiben, aber nur jeder Dritte setzt dies in die Tat um. Entweder finden sie nicht schnell genug Arbeit oder fühlen sich nicht willkommen. Von Hardenberg glaubt deshalb, dass sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dringend gemeinsam auf eine Willkommenskultur verständigen müssen. Denn „viele Unternehmen wissen nicht, wie leicht sie es theoretisch haben, ausländische Fachkräfte zu beschäftigen oder sie über staatlich finanzierte Sprach- und Integrationskurse besser einzubinden. Hier muss dringend Aufklärungsarbeit geleistet werden.“