Dienstag, 16. August 2011

Unzufriedene Mitarbeiter

© PIXELIO/Thomas Siepmann

Unzufrieden – das ist die Stimmungslage bei den Arbeitnehmern. Dabei war das vor 15 Jahren noch ganz anders.  

So steht es im aktuellen Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ), für den die Forscher die jährlichen Haushaltsbefragung des Sozio-Oekonomischen Panels von 1984 bis 2009 ausgewertet haben. Danach sei die Arbeitszufriedenheit in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken. Während sich die Mitarbeiter 1984 auf einer Skala von 0 „ganz und gar unzufrieden“ bis 10 „ganz und gar zufrieden“ noch im Durchschnitt bei 7,6 Punkten einsortiert hätten, habe ihre Zufriedenheit 2009 nur noch für 6,8 Punkte gereicht. Besonders unzufrieden seien vor allem die über 50-Jährigen. Hätten sie Mitte der 1980er Jahre noch die Skala angeführt mit Rekordwerten von 7,9 Punkten, reiche es 2009 nur noch für 6,6 Punkte. Dafür hätten sich die Ost-West-Unterschiede bei der Zufriedenheit mittlerweile angeglichen: Die Ostdeutschen seien nicht mehr unzufriedener als ihre West-Kollegen – im Gegensatz zu früher. Generell gelte: Je höher der Bildungsstand, desto glücklicher die Arbeitnehmer.

Im europäischen Vergleich zeigten sich die Deutschen besonders unzufrieden mit ihrer Arbeit. Nach Daten des European Social Survey (ESS) für 2006 fänden sie sich auf dem 18. Platz wieder. Noch unglücklicher seien lediglich die Beschäftigten in der Slowakei, der Ukraine, in Bulgarien und Russland. Am höchsten sei der Glücksfaktor in Dänemark, der Schweiz und Finnland.

 

Doch was sind die Ursachen für die gestiegene Unzufriedenheit hierzulande? Nach Einschätzung der Wissenschaftler lägen sie in zunehmender Arbeitsbelastung, Problemen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geringen Lohnsteigerungen und wachsender Unsicherheit über die berufliche Zukunft. Man wisse aber, dass Arbeitszufriedenheit und Leistungsbereitschaft eng zusammenhängen. Dementsprechend besorgt zeigten sich die Forscher um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Die Ergebnisse könnten, so Prof. Dr. Marcel Erlinghagen, „für Unternehmen langfristig fatal sein, wenn nicht endlich eine längst überfällige Debatte um bessere Arbeitsbedingungen in den Betrieben einsetzt. Dazu gehört nicht nur eine entsprechende Lohnentwicklung, sondern auch der Stressabbau und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind dringend anzugehen“.