Montag, 9. November 2009

Was Auszubildende wollen

Ach ja, die Azubis von heute, es mangelt ihnen an so Vielem: Wissen, Leistungsbereitschaft, Engagement – so lautet zumindest ein gängiges (Vor?-)Urteil.

Doch wie sehen die gescholtenen Jugendlichen das Ganze? Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat in einer repräsentativen Studie „Ausbildung aus Sicht der Auszubildenden“ einfach mal nachgefragt. Und tatsächlich: Das Bild der Befragten weicht von dem der Ausbilder ab. Aber das ist doch nicht verwunderlich, ist man geneigt zu sagen. Sicher. Doch trotzdem könnte es für Arbeitgeber lohnend sein, einmal über den einen oder anderen Punkt nachzudenken. Denn wie heißt es so schön: Ein Fünkchen Wahrheit steckt meist doch darin. Hier also die Ergebnisse:

 

Den Auszubildenden ist es wichtig, „echte Arbeit“ für die Betriebe zu leisten und auch bei größeren Aufgaben mitzuwirken. Dann sind sie auch mit vollem Engagement dabei und nehmen Überstunden in Kauf. Darüber hinaus wünschen sie sich, dass man sie sozial integriert, inklusive Lob für gute Leistungen und einem respektvollen Umgang. Hier gaben 53 % der Befragten an, sowohl arbeitstechnisch als auch sozial „(sehr) gut“ integriert zu sein. 33 % empfinden den Zustand als „befriedigend“, 14 % als „ausreichend“ bis „ungenügend“. Am zufriedensten sind die angehenden Bankkaufleute und Industriemechaniker. Kritischer beurteilen hingegen die Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik sowie die Kraftfahrzeugmechatroniker, Maler und Lackierer ihre Lage.

 

Aber auch die umgekehrte Situation, nämlich zu stark in die Arbeit eingebunden zu sein, macht den Jugendlichen Sorge. Viele berichteten von einem großen Zeitdruck, der ihnen gerade bei neuen Aufgaben wenig Zeit zum Ausprobieren lasse. Teilweise hätten sie zudem das Gefühl, sie dürften keine Fehler machen. Aus diesem Grund bewerteten die Befragten die betriebliche Ausbildungsorganisation insgesamt nur mit einer Durchschnittsnote von 3,9. Die Ausbildung verlaufe relativ ungeplant und nur selten gebe es Besprechungen über den Ausbildungsverlauf.

 

Im Ergebnis lässt sich festhalten, so das BIBB, dass die Verzahnung von Lern- und Arbeitsprozessen die Auszubildenden leicht überfordert und den Lernprozess gefährden kann. Daher sei es sinnvoll, Azubis und Ausbildern trotz des hohen Zeit- und Leistungsdrucks genügend pädagogische Freiräume zu verschaffen. Diese sollten die Verantwortlichen nutzen, um betriebliche Arbeitsprozesse mit ihrem Lehrling zu besprechen, seine Arbeitsergebnisse zu bewerten und den weiteren Ausbildungsverlauf auf den Lernstand abzustimmen. Ganz wichtig sei außerdem, die Feedbackkultur zu stärken.

 

Für die Studie wurden rund 6.000 Auszubildende aus 15 dualen Ausbildungsberufen befragt. Weitere Ergebnisse finden sich unter www.bibb.de/de/wlk29213.htm.