Donnerstag, 1. Dezember 2016

Weißbuch zur "Arbeit 4.0": Zukunft der Arbeit(szeit)?

Quelle: BMAS

Auf der Abschlusskonferenz des Dialogprozesses "Arbeiten 4.0", den Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles im Frühjahr vergangenen Jahres gestartet hatte, stellte sie vor rund 800 Gästen am 29.11.2016 den Diskussionsentwurf für das "Weißbuch Arbeiten 4.0" vor. Dieser wird von den verschiedenen Seiten mit Lob und Kritik bedacht.

Nahles schlägt "mehr Wahlarbeitszeitoptionen und eine innovative Arbeitszeitgestaltung vor, die persönliche Zeitbedarfe neben der Erwerbsarbeit anerkennen sollen". Sie möchte "Lernräume schaffen, um den Sozialpartnern zu ermöglichen, in der betrieblichen Praxis auszuprobieren, ob mehr Flexibilität und Schutz vor Überlastung zusammengehen". Im Rahmen eines Wahlarbeitszeitgesetzes soll quasi ein "atmendes Arbeitszeitskonto" zunächst auf zwei Jahre befristet in "betrieblichen Experimentierräumen" erprobt werden. Zudem sind Änderungen im Arbeits- und Beschäftigtendatenschutz angedacht. Und schließlich schlägt man im BMAS persönliche Erwerbstätigenkonten – "Sozialerbe" mit Startkapital – sowie Anpassungen in der gesetzlichen Rentenversicherung vor.

Arbeitgeberpräsident Kramer bemängelte, dass Experimentierräume und Evaluationsprojekte politische Entscheidungen nicht verzögern dürften. Die Arbeitgeber benötigten zügige Reformen, damit Deutschland auch künftig im weltweiten Wettbewerb Spitze bleibt. Am wenigsten bräuchten sie neue gesetzliche Belastungen durch zusätzliche bürokratische Regelungen und Ansprüche.
Auch nach dem Branchenverband Bitkom greifen die Vorschläge zu kurz. Die Möglichkeit der Abweichung von den geltenden Regelungen des Arbeitszeitgesetzes werde an sehr enge Voraussetzungen gebunden.

Der DGB hingegen unterstützt die Ziele und Prioritäten des BMAS. "Mit Blick auf die großen Veränderungen durch die Digitalisierung muss das oberste Ziel sein, die Beschäftigten fit zu halten für die Herausforderungen der Zukunft. (...) Deshalb ist es wichtig, die Mitbestimmung zu stärken, selbstbestimmte Arbeitszeitflexibilität zu ermöglichen und die berufliche Weiterbildung stärker zu unterstützen.", so  DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann.
Ähnlich kommentierte die Präsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager und Arbeitsdirektorin der TUI Group Dr. Elke Eller: "Der Bundesverband der Personalmanager begrüßt den vorliegenden Diskussionsentwurf. Der transparente und offene Prozess, in dem die Zukunft der Arbeit diskutiert wurde, (...) hat maßgeblich dazu beigetragen, eine chancenorientiere Debatte zu führen(...). Nun werden wir uns die Vorschläge genau anschauen (...)."

Weitere Informationen finden Sie auch in AuA 12/16, die dieses Thema zum Schwerpunkt hat.