Dienstag, 23. Januar 2018

Weniger Ausbildungsplätze und stark sinkende Bewerberzahlen

Quelle: pixabay.com

In deutschen Betrieben gibt es immer weniger Azubis. Besonders in Kleinst- und Kleinunternehmen sinken die Zahlen dramatisch. Lediglich beim klassischen Mittelstand bleibt das Niveau gleich.Das sind die Ergebnisse einer Studie des Soziologischen Forschungsinstituts und der Universität Göttingen.

Die Untersuchung wurde von der Bertelsmann Stiftung gefördert. Deren Vorstand Jörg Dräger sieht in der Entkopplung von Arbeit und Ausbildung eine Gefahr: „Wenn Unternehmen in der aktuell guten Konjunktur- und Beschäftigungslage nicht mehr junge Menschen ausbilden, ist der Fachkräftemangel hausgemacht.“ Insbesondere die duale Ausbildung ist ein deutscher Exportschlager, ihr droht aber über die Branchen hinweg immer mehr der Status eines Auslaufmodells. Die Ausbildungsquote ist rückläufig. Zwar wuchs die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren seit 1999 um 12,1 %, gleichzeitig sank aber die Zahl der Auszubildenden um 6,7 %. Gerade in Kleinst- und Kleinbetrieben (bis 49 Mitarbeiter) sank die Quote. Es handelt sich vor allem um die Branchen Handel oder Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Hier gab es etwa ein Drittel weniger Auszubildende.

Eine Ausnahme bilden nur Betriebe mit 50 bis 249 Mitarbeitern. Sie haben im Jahr 2015 zwar mehr ausgebildet als noch 1999 – der Anstieg betrug 11,3 %. Dennoch sinkt die Ausbildungsquote auch hier, weil im gleichen Zeitraum die Zahl der Beschäftigten um 19,3 % gestiegen ist. Bei den Großbetrieben (mit mehr als 500 Mitarbeitern) sieht es ebenfalls düster aus. Sie bilden im Verhältnis zur Belegschaftszahl am wenigsten aus. Bei ihnen lag die Ausbildungsquote im Jahr 2015 bei gerade einmal 4,4 %. Deshalb wünscht sich Dräger ein größeres Engagement: „Großbetriebe sollten ihre Ausbildungsaktivitäten steigern.“
Aber auch die Politik sieht er in der Pflicht und fordert neben dem Ausbau von Unterstützungsangeboten für Betriebe eine Ausbildungsgarantie der öffentlichen Hand. Zudem bedürfe es im Hinblick auf den zunehmenden Fachkräftemangel flexiblere Ausbildungswege und mehr individuelle Unterstützung für Azubis und Ausbilder. Es müsse wieder in die Berufsschulen investiert und die Weiterbildungsperspektive verbessert werden. Erfolgreiche Absolventen könnten auch einen leichteren Zugang zu Hochschulen erhalten, um dem Konkurrenzverhältnis zwischen Ausbildung und Universität entgegenzuwirken.

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