Montag, 23. November 2009

Wenn die Arbeitnehmerseele streikt

Immer mehr haben sie, aber noch immer spricht niemand darüber – die Rede ist von psychischen Krankheiten.  

Nach wie vor ein Tabuthema, haben sie sich längst zu einer Volkskrankheit entwickelt. Das meldet die Bertelsmann Stiftung als Ergebnis ihres aktuellen Gesundheitsmonitors. Bei der Umfrage habe jeder dritte Berufstätige angeben, unter psychischen Belastungen zu leiden. Außerdem gehe jeder fünfte Deutsche einmal im Jahr wegen psychischer Probleme zum Arzt. Und in Zeiten der Wirtschaftskrise verstärkten sich die Symptome noch. So hätten 52 % der Befragten in befristeten Arbeitsverhältnissen erklärt, unter der prekären Situation psychisch zu leiden.

 

Doch nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft plagt laut Studie viele Beschäftigte: 46 % hätten Angst, ihren Job zu verlieren. 50 % quäle die Sorge, dass neue Technologien sie überflüssig machen. 41 % sähen die Gefahr, dann keine Stelle mehr zu finden. All das erhöhe das Risiko seelischer Beschwerden.

Darüber hinaus leide die Arbeitnehmerpsyche unter schwierigen Arbeitsbedingungen. Bei der Befragung sei herausgekommen, dass 42 % der Beschäftigten, die mehr als fünf Tage die Woche arbeiten, häufiger psychisch erkranken. Dasselbe gelte für 38 % der Mitarbeiter, deren täglicher Arbeitsweg mindestens eine halbe Stunde beträgt.

 

Das Erkrankungspotenzial setzt sich laut Studie beim Betriebsklima fort. So hätten 47 % der Befragten angegeben, bei häufigerer oder längerer Krankschreibung zu fürchten, man entziehe ihnen Vergünstigungen. 52 % rechneten mit einer Abmahnung. 49 % sähen bereits die Kündigung. Allerdings sei es möglich, solche psychischen Belastungen durch einen anderen Führungsstil zu reduzieren. „Viele Arbeitgeber haben dies erkannt und führen intensive Schulungsmaßnahmen für ihre Führungskräfte durch“, sagte Dr. Jan Böcken von der Bertelsmann Stiftung.

 

Dies sei auch ein Ansatz, um die Konflikte an den Berührungsstellen zwischen beruflichem und privatem Bereich in den Griff zu bekommen. „Wir wissen aus den Zahlen des Gesundheitsmonitors, dass das Risiko einer psychischen Beeinträchtigung bspw. bei Organisationsproblemen in der Kinderbetreuung doppelt so hoch ist. Diese Probleme sind häufig viel leichter zu bewältigen, wenn Führungskraft und Mitarbeiter gemeinsam nach Lösungen suchen“, so Böcken.

Für den repräsentativen Gesundheitsmonitor befragte die Bertelsmann Stiftung 1.500 Personen.