Dienstag, 22. August 2017

Wie steht es um die Inklusionsquote am Arbeitsplatz?

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Obwohl die Mehrheit der deutschen Firmen Behinderte, chronisch Kranke und dauerhaft gesundheitlich eingeschränkte Mitarbeiter beschäftigt, variiert die Inklusionsquote von deutschen Unternehmen stark. Etwa 80 % von ihnen haben Mitarbeiter mit Handicap eingestellt. Trotzdem stellten der Medizinprodukte-Hersteller Coloplast GmbH zusammen mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung in einer Befragung ein enormes Ungleichgewicht fest. Bei der Studie wurden 527 Führungskräfte befragt.

Je größer das Unternehmen, desto höher die Inklusionsrate

In Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern finden Menschen mit körperlicher Behinderung am ehesten eine Stelle. In Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten ist etwa jeder zwanzigste Arbeitnehmer dauerhaft gesundheitlich geschädigt. In Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern ist dieser Anteil etwa doppelt so hoch. Generell steigt der Prozentsatz der behinderten und dauerhaft gesundheitlich eingeschränkten Beschäftigten mit der Größe des Unternehmens. In kleineren Firmen mit 20 bis 100 Mitarbeitern liegt die Quote bei 5,3 %, bei Arbeitgebern mit 100 bis 500 Angestellten dagegen bei 8,3 %. Im Durchschnitt beschäftigen Firmen mit mindestens 500 Mitarbeitern mehr als 10 % chronisch Kranke und Behinderte. 89 % der Befragten in Firmen mit 1.000 bis 5.000 Mitarbeitern gaben an, mit Kollegen, die eine Behinderung haben, zusammenzuarbeiten. In der Rangliste der Branchen mit den meisten behinderten Beschäftigten ist die öffentliche Verwaltung Spitzenreiter. Sie verzeichnet eine Inklusionsquote von 12,5 %. Dem folgen das Gesundheitswesen mit 11,4 % und der Banken- und Versicherungssektor mit 10,5 %. Die Transport- und Logistikbranche belegt mit 5,8 % den letzten Platz der Liste.

"Die Umfrage unter Führungskräften zeigt, dass die Inklusion am Arbeitsplatz größeren Unternehmen und bestimmten Branchen leichter fällt", stellt Henning Reichardt, Geschäftsführer von Coloplast, fest. "Es zeigt sich aber auch, dass Inklusion unabhängig von der Unternehmensgröße möglich ist. Hierfür müssen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen und die nötigen Hilfen und Hilfsmittel verfügbar sein."

Etwa 75 % der Studienteilnehmer sahen ihr Unternehmen positiv und fortschrittlich, wenn es um Inklusion geht. Nur 7 % gaben an, dass sie kaum bzw. überhaupt keinen Fortschritt bemerken. Auch hier spielt die Firmengröße eine Rolle. In Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind die Inklusions-Entwicklungen durchweg positiver als in Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigen.

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