Freitag, 1. März 2013

WSI-Arbeitskampfbilanz: Sechsmal so viel Streikende

© Gerd Altmann/ pixelio.de

Das Streiken war im letzten Jahr des Arbeitnehmers Lust: Mehr als sechsmal so viele Beschäftigte beteiligten sich in 2012 an Streiks und Warnstreiks als noch im Jahr zuvor.

Das zeigt die Jahresbilanz des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Danach nahm die Zahl der Streikenden von rund 180.000 auf etwa 1,2 Millionen zu. Auch die Ausfalltage haben sich mit ca. 630.000 im Vergleich zu 2011 verdoppelt. Als besonders (warn-)streikfreudig erwiesen sich die Mitarbeiter in der Metallindustrie und im öffentlichen Dienst.

Doch nicht nur das: „Weiter zugenommen hat auch die Konflikthäufigkeit. Insgesamt verzeichnen wir für 2012 mehr als 250 Streiks und Warnstreiks. Die große Mehrheit davon fand im Rahmen von Auseinandersetzungen über Haus- und Firmentarifverträge statt“, erklärte Dr. Heiner Dribbusch vom WSI.

Bei solchen regionalen Konflikten haben die Streikenden einen besonders langen Atem. „Oft weigert sich der Arbeitgeber vehement, überhaupt einen Tarifvertrag abzuschließen. Dann zieht sich die Auseinandersetzung hin, und es kommen in einzelnen Betrieben relativ viele Streiktage zusammen.“ Als Beispiel nannte Dribbusch das Sparkassencallcenter S-Direkt in Halle, wo man sich erst nach 126 Tagen einigte. Sehr langwierig und kompliziert sind die Verhandlungen nach seiner Analyse häufig in inhabergeführten Familienbetrieben.

Trotzdem ist Deutschland in puncto Streik im weltweiten Vergleich noch immer von den Spitzenpositionen entfernt. Nach Dribbuschs Berechnungen fielen von 2004 bis 2010 im Jahresdurchschnitt lediglich 15 Arbeitstage pro 1.000 Beschäftigte aus. 2011 waren es sogar nur 8,3 Tage, in 2012 dann 17. Frankreich litt dagegen im Jahresdurchschnitt unter 162 Arbeitskampftagen. In Kanada waren es 154, in Dänemark 123, in Großbritannien 24. Die USA zählten nur 9 Streiktage, allerdings gilt dort ein Streik erst ab 1.000 Mitarbeitern im Ausstand statistisch überhaupt als Streik. Noch zufriedener geht es bei den Schweizern zu mit gerade einmal 3 Streiktagen.