Mittwoch, 13. Juli 2011

Zwischenbilanz bei den Tariflöhnen

© PIXELIO/Gerd Altmann

Vom Konjunkturaufschwung profitieren auch die Mitarbeiter: Die Tarifabschlüsse im ersten Halbjahr 2011 liegen deutlich über denen des Vorjahres.  

So steht es in der aktuellen Halbjahresbilanz des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Denn nachdem es im vergangenen Jahr häufig nur Pauschalzahlungen gegeben habe, hätten sich viele Branchen dieses Jahr wieder auf dauerhafte Tarifsteigerungen geeinigt. Rechnet man die diesjährigen Tarifabschlüsse auf das Jahr um, komme man auf eine vorläufige jahresbezogene Tarifsteigerung von nominal 2,3 % gegenüber 2010. Die länger laufenden Abschlüsse aus dem Vorjahr brächten es für 2011 auf eine jahresbezogene Tarifsteigerung von 1,8 %. Zusammengerechnet ergebe dies eine durchschnittliche nominale Tarifsteigerung von 2 %. In manchen Branchen betrage das Plus jedoch sogar 3 % und mehr. Die chemische Industrie habe sogar eine Tariferhöhung von 4,1 % bei einer Laufzeit von 15 Monaten vereinbart. Im Durchschnitt liefen die Neuabschlüsse fast 23 Monate.

„Diese vorläufige Tarifbilanz stimmt insgesamt nur verhalten optimistisch“ kommentierte Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs, das Ergebnis. „Die Tarifsteigerungen sind zwar erkennbar höher ausgefallen als im Vorjahr, aber sie werden durch den unerwartet starken Anstieg der Verbraucherpreise größtenteils wieder aufgezehrt.“ Bispinck warnte, dass es in einigen Wirtschaftsbereichen auf das ganze Jahr gerechnet nicht gelingen werde, die realen Tarifeinkommen zu sichern.

Darüber hinaus ließen die Quartalsdaten des Statistischen Bundesamtes darauf schließen, dass die Brutto-Effektivlöhne 2011 erstmals seit Jahren stärker ansteigen könnten als die Tarifeinkommen. Aufgrund der guten Konjunktur werde in vielen Unternehmen länger gearbeitet. Außerdem würden etliche außertarifliche Boni zahlen. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten und der Aufschwung nächstes Jahr andauern, könne es jedoch zu einem weiteren Erstarken der Tarifentwicklung kommen, so Bispinck. Schließlich wirkten die höheren Abschlüsse aus 2011 bis ins Folgejahr und 2012 seien in wichtigen industriellen Leitbranchen Tarifrunden angesagt.