Dienstag, 8. Oktober 2013

Auszubildender muss 25.000 Euro Schmerzensgeld an Kollegen zahlen

(c) Jens Schöninger / pixelio.de

Wirft ein Angestellter einem Arbeitskollegen ein nicht dazu bestimmtes Wuchtgewicht zu, handelt dieser fahrlässig und haftet in vollem Umfang bei einer Verletzung, denn dieses Verhalten ist dem persönlich-privaten Bereich zuzuordnen. Das geht aus einer am 30.9.2013 erschienenen Entscheidung des Hessischen LAG vom 20.8.2013 hervor (13 Sa 269/13).

Zwei Auszubildende waren in einer Kfz-Werkstatt mit dem Auswuchten von Autoreifen beschäftigt, als einer von beiden dem anderen aus 10 m Entfernung ohne Vorwarnung ein 10 g schweres Wuchtgewicht aus Aluminium zuwarf. Dieses traf den Azubi am Auge und verletzte ihn so sehr, dass er mehrfach operiert werden musste. Ihm wurde eine künstliche Augenlinse eingesetzt und er verlor das räumliche Sehvermögen, es trat eine dauerhafte Sehverschlechterung ein. Deshalb klagte er gegen seinen Kollegen und begehrte die Zahlung eines einmaligen Schmerzensgeldes sowie eine monatliche Schmerzensgeldrente. ArbG und LArbG verneinten zwar den Anspruch auf Zahlung einer monatlichen Rente, verurteilten den beklagten Azubi aber zur Zahlung eines Schmerzensgeldes i. H. v. 25.000 Euro.

Der beklagte Auszubildende hat den klagenden Azubi fahrlässig an der Gesundheit geschädigt. Er hätte wissen können und müssen, dass der Wurf erhebliche Verletzungen bei einem Treffer nach sich zieht. Eine Haftungsbefreiung kommt nicht in Betracht, weil keine betriebliche Tätigkeit vorlag, bei der nur für Vorsatz, nicht auch für Fahrlässigkeit gehaftet wird. Das zweckentfremdende Werfen mit einem Wuchtgewicht ist dem privaten Bereich zuzuordnen, für den der Arbeitnehmer vollumfänglich haftet.
Die Höhe des Schmerzensgeldes wird unter Einbeziehung der erlittenen Schmerzen, der dauerhaften Beeinträchtigung der Lebensführung des Klägers und der Möglichkeit weiterer Komplikationen und Verschlechterungen der Sehkraft berechnet.