Wie entwickeln sich die Berufskrankheiten-Todesfallzahlen?

Wie bereits im Beitrag „Berufskrankheiten-Todesfälle auf Rekordniveau“ (Müsch, AuA 6/08, S. 356 f.) dargestellt, weisen die offiziellen Mortalitätsdaten seit einigen Jahren ständig mehr als 2.000 Einzelfälle jährlich auf. 
 

Der dazu im November 2008 erschienene aktuelle statistische und finanzielle Bericht gemäß § 79 Abs. 3 Viertes Buch Sozialgesetzbuch (SGB IV) über „Die Gesetzliche Unfallversicherung in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2007“ kann ab sofort beim Herausgeber, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), 53107 Bonn (www.bmas.de) angefordert werden.

In diesem nun vorliegenden Jahresbericht 2007 (Tabelle 5/T 28-29) sind die Gesamtzahlen als leicht rückläufig ausgewiesen:

Übersicht 1
Todesfälle „Berufserkrankter“

Berichtsjahr                   Anzahl
2005:                                 2.600

2006:                                 2.575

2007:                                 2.347

 

Eine weitere Differenzierung nach Berufskrankheiten-Arten i. S. d. Anlage der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) erlaubt es, die in AuA 6/08 vorgestellte Übersicht über Todesfälle um die Daten für das Jahr 2007 zu erweitern (vgl.Übersicht 2 in AuA 1/09, S. 59).

 

Bei den Erkrankungen durch chemische Einwirkungen fällt ein leichter Anstieg der Todesfallzahlen gegenüber dem Vorjahr auf, während sich bei physikalischen Einwirkungen und den Infektionskrankheiten eine rückläufige Tendenz zeigt.

In der im negativen Sinne hervorragenden Gruppe der Atemwegs- und Lungenkrankheiten nehmen die bösartigen Erkrankungen durch Asbest (Lungen- bzw. Kehlkopfkrebs und Mesotheliome) weiterhin die größten Einzelpositionen ein. Daneben gibt aber auch der Anstieg der tödlich verlaufenden allergischen Erkrankungen (Alveolitis und Asthma) Anlass zur Besorgnis.

Dass die rückläufigen Zahlen für Entschädigungsfälle nach der alten DDR-BKVO eine natürliche Begründung finden, erklärt sich von selbst. Da aber die Gesamtstatistik auch durch die Angaben über die „Quasi-Berufskrankheiten“ (§ 9 Abs. 2 SGB VII) erheblich beeinflusst wird, wäre eine Darlegung deren Krankheitsursachen nicht nur in Hinblick auf notwendige Präventionsmaßnahmen wünschenswert.

Prävention und Rehabilitation von Berufskrankheiten sind in Deutschland „mit allen geeigneten Mitteln“ (§ 1 SGB VII „Gesetzliche Unfallversicherung“) durch die Unfallversicherungsträger (z. B. Berufsgenossenschaften) zu gewährleisten. Die dort ebenfalls geregelte Entschädigung der Versicherten oder ihrer Hinterbliebenen beeinflusst maßgeblich die Beitragsgestaltung („Gefahrentarife“), wobei die Beiträge allein von den Unternehmen aufgebracht werden müssen.

Für die Versicherten resultiert daraus (aus ihrer Beitragsfreiheit), dass sie sich ihrer „Berufskrankheiten-Pflichtversicherung“ oftmals gar nicht bewusst sind (vgl. dazu auch Müsch, Berufskrankheiten, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2006). Die nationale Übernahme einer im Ausland durchaus üblichen und sprachlich korrekten Herangehensweise (z. B. „Gesetzliche Berufskrankheiten- und Arbeits-Unfallversicherung“) würde nicht nur der allgemeinen Aufklärung dienen, sondern könnte auch einen anhand der oben dokumentierten Zahlen überfälligen öffentlichen Diskurs über Berufskrankheiten-Morbidität und –Mortalität bewirken.

 

MedDir Dr. Franz H. Müsch,

Köln/Bonn

(AuA 1/09)

Onlinearchiv für Abonnenten

Recherche für Nichtabonnenten

Arbeit und Arbeitsrecht Heftcover

Stellenmarkt

Berufsfeld
Stichwort




Zum Stellenmarkt