Zwischen Instrumentalisierung und Bedeutungslosigkeit

Mitarbeiter-Partizipation im organisationalen Kontext in Mittel- und Osteuropa

Von Prof. Dr. Thomas Steger und Dr. Olaf Kranz (Hrsg.), Rainer Hampp Verlag, München und Mering 2014, 322 Seiten, Preis: 29,80 Euro, auch als eBook

Mitarbeiter-Partizipation mag zunächst als bekanntes Instrument in Unternehmen erscheinen. Doch ist es überhaupt ein Instrument? Und was sind die Wirkungen und Nebenwirkungen?

Den Herausgebern des 30. Bandes der Schriftenreihe Arbeit, Organisation und Personal im Transformationsprozess, Prof. Dr. Thomas Steger und Dr. Olaf Kranz vom Lehrstuhl für Führung und Organisation der Universität Regensburg, ist es gelungen, das Phänomen nicht nur instrumentell zu begreifen, sondern es in seiner Komplexität zu erfassen. Hierfür haben sie Beiträge
unterschiedlicher wissenschaftlicher Zugänge gesammelt, die das Thema jeweils aus betriebswirtschaftlicher, psychologischer oder sozialwissenschaftlicher Perspektive beleuchten. Sie eint die Betrachtung der Partizipationspraxis mit wissenschaftlichen Mitteln und deren Verortung in die Region Mittel- und Osteuropas.

Ein einführender, konzeptioneller Teil geht zunächst den Fragen nach, wie Mitarbeiter-Partizipation begriffen werden kann, inwieweit diese überhaupt sinnvoll ist und mit welchen Dysfunktionalitäten, Nebenwirkungen und Paradoxien zu rechnen ist. Ein zweiter, empirischer Teil zeigt die Verbreitung und Ausgestaltung in deren jeweiligen organisationalen, regionalen und akteursspezifischen Kontexten. Hier wird Partizipation u. a. in Bezug zu Führung, Innovationsfähigkeit, organisationaler Identität, Mitbestimmung und der Unternehmensform gesetzt.
In der Gesamtschau der Beiträge wird hiermit kein vollständig ausgeleuchtetes, aber vielschichtiges und breites Feld eröffnet. Insbesondere die konzeptionellen Perspektiven verstehen es, keine vorschnellen, einfachen Antworten, sondern auch überraschende, neue zu liefern und weiterführende Fragen zu stellen. Allerdings geht dieser Erkenntnisgewinn mit der Logik und Sprache des jeweiligen wissenschaftlichen Zugangs einher. Die eigene Nähe oder Distanz des Lesers zu diesem Wissenschaftsverständnis wird ggf. den individuellen Mehrwert prägen: Nähe für ein tieferes Verständnis, Distanz für neue, befruchtende Aspekte.

Fazit: Alles in allem ist der Sammelband für Leser aus dem wissenschaftlichen Umfeld unumgänglich. Doch auch und gerade Mitarbeiter-Partizipation in der Praxis Gestaltende können sich mit dieser Lektüre einen Wissensvorsprung und Erkenntnisgewinn verschaffen.

Maria Kirchner, Managementliga – Bündnis für ganzheitliches Management, Regensburg