Liebe Leser:innen,

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 Bild: David Schwarzenberg/Pixabay
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an dieser Meldung wird Ende Februar wohl kaum jemand vorbeigekommen sein: Belgien will die Vier-Tage-Woche einführen. Und was nach einer Forsa-Umfrage wohl die Mehrheit der Deutschen befürwortet, ist für Arbeitsminister Hubertus Heil bei uns so nicht vorstellbar. Was steckt dahinter, klingt der Vorstoß doch zunächst wie aus der Feder eines Sozialdemokraten?

Heil möchte statt der generellen Einführung einer Vier-Tage-Woche flexible Arbeitszeitmodelle ausbauen, wie er dem Tagesspiegel in einem Interview verriet. Damit – und mit seiner Begründung – dürfte er auch aus Arbeitgebersicht ins Schwarze getroffen haben, denn er wolle „das nicht für den gesamten deutschen Arbeitsmarkt vorschreiben“. Offen zeigt er sich hingegen für entsprechende Vereinbarungen, wenn sie zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern verhandelt werden. Es müsse insgesamt mehr Flexibilität in einer sich rasch wandelnden Wirtschaft und Arbeitsweltgeben. Dem ist zuzustimmen. Aufgabe des Gesetzgebers sollte es sein, eben jene flexiblen Regelungen zwischen den Betriebsparteien zu ermöglichen und individuelle Absprachen nicht durch zu starre Vorgaben unmöglich zu machen oder gar Arbeitszeitmodelle vorzuschreiben, die in vielen Branchen schlicht nicht umsetzbar sind.

Aber kommen wir zurück zum Vorstoß aus Belgien: Genauer betrachtet handelt es sich dort auch nur um eine „Mogelpackung“, denn mit der avisierten Vier-Tage-Woche soll nicht etwa die wöchentliche Arbeitszeit gesenkt, sondern nur neu verteilt werden. Und das auch nur für den Fall, in dem das Arbeitspensum bereits nach vier Tagen erledigt wurde. Ein Ergebnis, das bereits jetzt durch den Abbau von Überstunden in den meisten Betrieben von Arbeitnehmern erzielt werden kann – auf Grundlage betrieblich verhandelter Vereinbarungen.

Um den Arbeitsaufwand in Grenzen zu halten, stellt Ihnen unser Referententeam jedes Quartal im Rahmen unseres Webinars „Update Rechtsprechung Arbeitsrecht“ die aktuellsten Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts und der Landesarbeitsgerichte zusammen.

Andreas Krabel

Andreas Krabel
Chefredakteur
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