Liebe Leserinnen, liebe Leser,

1105
RA Volker Hassel
RA Volker Hassel

lesen Sie (noch) Anschreiben oder schauen Sie direkt (nur) auf Lebenslauf und Zeugnisse? Falls Letzteres, sind Sie in guter Gesellschaft mit der Deutsche BahnAG. Denn ab Herbst möchte der Konzern – zumindest bei Auszubildenden – auf Bewerbungsanschreiben verzichten. Sie sollen nur noch CV sowie Zeugnisse online einreichen. „Wir wollen es den Bewerbern so einfach wie möglich machen. (...) Für Schüler ist ein Motivationsschreiben schon schwierig. (...) Auch andere sind froh, wenn sie nicht so viel schreiben müssen. Wir prüfen die Motivation der Bewerber sowieso noch mal in einem Gespräch ab“, so Personalerin Carola Hennemann, die deutschlandweit für die Einstellung von Ingenieuren zuständig ist. Möglicherweise schafft die Bahn das Bewerbungsschreiben auch für Berufserfahrene ab; angeblich wird zurzeit geprüft, für welche Berufsgruppen das Sinn ergibt.

Dieser Ansatz hat Fans. So meint z. B. Melikshah Ünver, Gründer und CEO der digitalen Recruitment-Plattform Taledo: „Ein längst überfälliger Schritt. (...) Der traditionelle Bewerbungsprozess in Deutschland ist völlig veraltet und überholt. Der Markt arbeitet wie vor 20 Jahren, obwohl er sich in den letzten fünf Jahren rapide verändert hat. (...) Auch für Unternehmen ist das klassische Prozedere vor allem kostspielig und ineffizient. Wir sehen seit einiger Zeit eine Abkehr vom Bewerbungsschreiben hin zum intelligenten Matching-Verfahren. Hierbei werden die Fähigkeiten der Kandidaten mit klar beschriebenen Jobpositionen verglichen und zusammengebracht. In Zeiten weitgehender Vollbeschäftigung und Fachkräftemangels muss das Recruitment effizienter werden – die Lösungen sind da, nun muss auch ein Umdenken in den HR-Abteilungen dieses Landes einsetzen.“ Aus seiner Sicht durchaus nachvollziehbar.

Aber es gibt auch andere Stimmen. Der Journalist und Influencer Henning Steier meint bspw.: „Für die Bahn und deren Nachwuchs mag das Sinn ergeben. Für viele andere Branchen und Berufe aber nicht. (...) Natürlich könnte man sich fragen, was Motivationsschreiben bringen, die so beginnen: ‚Hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle XY. Ich habe das da studiert, dann dies und das gemacht. Ich bin motiviert, belastbar und innovativ.‘ Aber ein kleines bisschen Individualität sollte schon sein. (...) Mit einem gelungenen Anschreiben könnte man sich also leicht abgrenzen oder sogar Lücken in Lebensläufen vergessen lassen. (...) Es ist nämlich ganz einfach: Gute Ideen entstehen, weil jemand herumspinnt, träumt oder fantasiert. Ob jemand dazu in der Lage ist, kann man in einem guten Anschreiben erkennen. Und solche Ideen-lieferanten hätten wir doch alle gern im Team, oder?“

In diesem Buch werden die verschiedensten Aspekte für Praktiker umfassend dargestellt und der Aufbau und die Systematik des Arbeitsschutzes, Compliance-relevanter Aspekte, Rechte und Pflichten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern erläutert.

Was meinen/machen Sie?

Einen sommerlichen August wünscht

· Artikel im Heft ·

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Seite 449
Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

Ausgangssituation

Man kann den Eindruck gewinnen, dass das Homeoffice in der deutschen Wirtschaft etwas Neues, ein nie da gewesenes

Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

Ich werde aktuell oft gefragt, wie sich Führung in Zeiten von bzw. nach Corona ändern müsse. Meine knappe Antwort: Sie muss es nicht. Wahr

Alle Jahre wieder dreht sich alles um das Thema Weihnachtsgeld und in diesem Zusammenhang lohnt sich natürlich auch ein Blick auf weitere

Zu den Themen Homeoffice, SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung und dem von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz empfundenen Ansteckungsrisiko sowie zu ihrem

Frei
Bild Teaser
Body Teil 1

Der Anstellungsvertrag eines Head of Regulatory Affairs enthielt einen § 4 mit der Überschrift „Kündigung“. Die ersten fünf Absätze

Premium
Bild Teaser
Body Teil 1

Herr Pleul, was genau hat das BAG am 26. Januar dieses Jahres entschieden?