Donnerstag, 17. Januar 2019

Entgelttransparenzgesetz: Unternehmen reagieren zurückhaltend

Quelle: pixabay.com

Der Großteil der Firmen hat noch keine Aktivitäten zur Umsetzung des Entgelttransparenzgesetzes begonnen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts WSI.

Das seit Mitte 2017 geltende Gesetz zur Überprüfung der Lohngleichheit hat laut der Untersuchung bislang kaum Wirkung entfaltet. Lediglich eine Minderheit der Unternehmen sei bisher bei der Umsetzung von sich aus aktiv geworden. Auf der Grundlage einer Betriebsrätebefragung wurde die Entwicklung in den ersten Monaten nach der Einführung analysiert.
In Firmen mit mehr als 200 Beschäftigten gibt es einen „individueller Auskunftsanspruch“. Diese Regelung trat im zweiten Schritt Anfang 2018 in Kraft. Arbeitnehmer können somit vom Arbeitgeber Auskunft über das durchschnittliche Gehalt der Kollegen des jeweils anderen Geschlechts verlangen, wenn diese eine ähnliche Arbeit leisten. Zudem sollen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern regelmäßig die Entgeltgleichheit überprüfen und dies schriftlich dokumentieren (vgl. hierzu ausführlich Schwertfeger/Kordes in AuA 8/18, S. 480 ff. sowie Bily/Ludwig in AuA 2/18, S. 82 ff.).

Von sich aus aktiv geworden ist die Geschäftsführung in nur 12 % der Betriebe. Der Studie zufolge sei dieser Anteil in mittelgroßen Betrieben mit 201 bis 500 Beschäftigten am höchsten (19 %). Die großen Unternehmen ab 501 Beschäftigten kommen auf 18 %. In Unternehmen – unabhängig von ihrer Größe – in denen Betriebsräte nach eigenen Aussagen ein „sehr gutes Verhältnis zur Geschäftsleitung“ haben, sei die Gesetzesumsetzung weiter fortgeschritten.
Auch die Beschäftigten zögern noch, das neue Recht in Anspruch zu nehmen. In 13 % der mittelgroßen Betriebe hat sich mindestens eine Person einen bis vier Monate nach Inkrafttreten des Auskunftsanspruchs an den Betriebsrat gewandt, um das Gehalt überprüfen zu lassen. Bei großen Unternehmen haben 23 % von ihrem Auskunftsrecht Gebrauch gemacht. In Unternehmen, in denen viele Hochqualifizierte beschäftigt werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Mitarbeiter ihr Gehalt überprüfen lassen, besonders hoch. Dabei spielt der Frauenanteil keine Rolle. Überdurchschnittlich häufig haben Betriebe mit einer jungen Belegschaft Prüfungen vorgenommen.

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