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 Bild: Julius Hatt for HRM Institute GmbH & Co. KG
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Lesedauer: ca. 3 Minuten
PERSONALPRAXIS

„Gründlichkeit schlägt Lautstärke“

Fragen an Dr. Alexander Bissels

Wären Sie nicht Anwalt geworden, was dann?

Sozialromantisch verklärt würde ich sagen: Förster, obwohl ich – ehrlich gesagt – gar nicht sicher weiß, ob es diesen Beruf noch gibt oder ob dieser neudeutsch inzwischen anders heißt. Ich bin (immer noch) gerne draußen in der Natur unterwegs und genieße die dortige Ruhe.

Warum haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?

Weil mich das Zusammenspiel des formellen Rechts mit materieller Gerechtigkeit und wirtschaftlich-strategischen Erwägungen sowie steuernden bzw. gestaltenden Entscheidungen fasziniert.

Was hat Sie in Ihren ersten Berufsjahren am meisten geprägt und welcher Rat hat Ihnen am meisten genützt?

Sehr früh Entscheidungen treffen zu dürfen, die ganz erhebliche persönliche und wirtschaftliche Auswirkungen für die Beteiligten haben – und der Rat: Gründlichkeit schlägt Lautstärke.

Wozu haben Sie zuletzt Nein gesagt?

Gerade eben, als mich meine Nichte fragte, ob ich mit ihr ins Kino gehen möchte – und zwar in den Film „Melania“. Es sind dann „Die drei ???“ geworden (als Kompromiss).

Welche (sozialen) Netzwerke nutzen Sie?

LinkedIn (beruflich), Facebook (privat, aber eher passiv-dosiert), ansonsten die „klassischen“ Zirkel, in denen sich Arbeitsrechtler und Personaler tummeln, u. a. DGFP.

Arbeitnehmer sind dann gut, wenn …

sie Verantwortung übernehmen, mitdenken und dies optimalerweise auch kundtun und sie nicht nur ihre Rechte, sondern auch ihre Rolle kennen.

Was war Ihre beruflich schwerste Entscheidung?

Mich nach langem inneren Ringen gegen ein einjähriges Secondment in Dubai entschieden zu haben. Wer weiß, wohin es mich dann verschlagen hätte?

Was steht in den nächsten Monaten an?

Wenn es so weiter geht, wie es sich gegenwärtig abzeichnet: Reorganisationsmaßnahmen, sprich Personalabbau in Unternehmen.

Was bedeutet Arbeit für Sie?

Gestaltungsspielraum und Verantwortung mit Anspruch – gelegentlich auch mit Humor.

Was können sich Ihre Kollegen von Ihnen abschauen?

Meine verbindliche Art und meine Gelassenheit, wenn es unübersichtlich wird und hektisch zu werden droht.

Welche Eigenschaft schätzen Sie besonders an anderen Menschen?

Die Leidenschaft, sich für Angelegenheiten zu begeistern, die dem jeweiligen Menschen wichtig sind, und Aufrichtigkeit.

Wie haben sich Ihre Ziele im Laufe Ihres Lebens verändert?

Weniger „schneller“, mehr „besser“.

Wofür hatten Sie schon als Kind eine Begeisterung, die Sie bis heute behalten haben?

Das Lesen von Zeitungen, Süßigkeiten und Recht haben wollen.

Gibt es eine schlechte Angewohnheit, die Sie gerne loswerden würden?

Zu viel (berufliche) Zeit mit dem Handy in meiner „Freizeit“ und zu glauben, dass alle genauso effizient arbeiten wie ich.

Womit würden Sie sich gerne richtig gut auskennen?

Alles, was mit Technik zu tun hat – ich bin zwar sehr interessiert, aber in diesem Zusammenhang nicht wirklich talentiert.

Auf welche Rituale könnten Sie nicht verzichten?

Auf meinen morgendlichen Spaziergang zu Beginn meines recht früh beginnenden Arbeitstages und meine abendliche Laufrunde, um diesen zu beschließen.

Was steht schon lange auf Ihrer Bucketlist und warum haben Sie es noch nicht getan?

Ein längeres Sabbatical, aber Rechtsanwälte haben bekanntlich ja immer „noch ein Jahr“.

Wovon sind viele begeistert oder überzeugt, Sie jedoch nicht?

Von einfachen Antworten im Arbeitsrecht.

Wen würden Sie gern einmal treffen?

Barack Obama (bevorzugt mit Zeit).

Welches Buch muss mit in Ihren Urlaub und wo geht es hin?

Wanderurlaub an der Mosel, aber da komme ich nicht zum Lesen.

Was ist Ihre größte Leidenschaft?

Das Arbeitsrecht (leider unheilbar!) – und privat: Familie, Freunde und Sport, insbesondere Laufen und Fußball.

Worauf freuen Sie sich derzeit am meisten?

Auf den nächsten Sommerurlaub, der uns (hoffentlich) in die Tiefen des Mittleren Westens führen wird.

Welchen Rat geben Sie Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg?

Rom ist auch nicht an einem Tag gebaut worden. Geduld zahlt sich (meistens) aus.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Dr. Alexander Bissels

Dr. Alexander Bissels

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht
Dieser Artikel im Heft

„Gründlichkeit schlägt Lautstärke“

Seite
50
bis
51