Direkt zum Inhalt
 Bild: Westwing
Bild: Westwing
Lesedauer: ca. 4 Minuten
PERSÖNLICH

„Privat darf es gerne eine Portion Adrenalin sein“

Fragen an Miriam Sternitzky

Wären Sie nicht Personalerin geworden, was dann?

Wahrscheinlich wäre ich Journalistin geworden. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen, Menschen wirklich zuzuhören und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Warum haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?

Weil Arbeit einen so massiven Teil unserer Lebenszeit einnimmt. Ich wollte aktiv daran mitwirken, diese Zeit für Menschen sinnstiftend, gesund und wertschätzend zu gestalten, statt sie einfach nur „abzusitzen“.

Was hat Sie in Ihren ersten Berufsjahren am meisten geprägt?

Die Erkenntnis, dass man nicht darauf warten sollte, bis man sich zu 100 % bereit fühlt. Ein früherer Mentor sagte einmal zu mir: „Spring einfach – den Rest lernst du beim Fliegen.“

Gibt es Lücken in Ihrem Lebenslauf?

Keine wirklichen Lücken, aber durchaus Umwege. Ich habe bspw. ursprünglich klinische Psychologie studiert, weil ich eigentlich Therapeutin werden wollte. In der Praxis habe ich dann aber gemerkt, dass das für mich doch nicht das Richtige ist. Rückblickend war dieser Umweg allerdings unglaublich wertvoll: Vieles aus der Psychologie prägt bis heute sehr stark, wie ich auf Menschen, Zusammenarbeit und Führung blicke.

Was bedeutet Arbeit für Sie?

Sehr viel. Arbeit ist für mich ein riesiger Hebel zur Selbstwirksamkeit. Es ist das großartige Gefühl, Dinge zu bewegen, Probleme zu lösen und gemeinsam mit anderen etwas aufzubauen. Aber: Arbeit ist nicht mein ganzes Leben. Diese Grenze ist mir heute sehr wichtig.

Was können sich Ihre Kollegen von Ihnen abschauen?

Meinen Pragmatismus und die Fähigkeit, in stressigen Situationen einfach mal tief durchzuatmen und Humor reinzubringen. Es ist am Ende des Tages immer noch Arbeit – wir operieren (meistens) nicht am offenen Herzen.

Wofür hatten Sie schon als Kind eine Begeisterung, die Sie bis heute behalten haben?

Fürs Fragenstellen. Ich war das typische „Warum?“-Kind. Diese tiefe Neugier treibt mich bis heute in meiner Arbeit an.

Was lesen Sie in AuA zuerst?

Meistens blättere ich tatsächlich als erstes direkt zur Persönlich-Rubrik. Ich liebe es, die Menschen hinter den fachlichen Titeln kennenzulernen.

Gibt es eine schlechte Angewohnheit, die Sie gerne loswerden würden?

Ungeduld. Wenn ich eine Idee gut finde, würde ich sie am liebsten vorgestern umgesetzt sehen.

Womit würden Sie sich gerne richtig gut auskennen?

Mit Künstlicher Intelligenz – nicht nur mit einzelnen Tools, sondern wirklich damit, wie sie unsere Arbeit, Organisationen und Führung in den nächsten Jahren verändern wird.

Auf welche Rituale könnten Sie nicht verzichten?

Meinen ersten Kaffee am Morgen in absoluter Stille. Keine E-Mails, kein Social Media, keine Nachrichten – nur 15 Minuten ganz für mich, bevor der Trubel des Tages losgeht.

Was steht schon lange auf Ihrer Bucketlist und warum haben Sie es noch nicht getan?

Ein eigenes Buch zu schreiben. Warum noch nicht? Dafür braucht es ungeteilten Fokus, den ich mir bisher noch nicht freigeschaufelt habe.

Wovon sind viele begeistert oder überzeugt, Sie jedoch nicht?

Vom Konzept der permanenten „Hustle-Culture“. Der Glaube, dass man nur erfolgreich wird, wenn man dauerhaft 80 Stunden die Woche arbeitet und dafür den Schlaf opfert, ist aus meiner Sicht langfristig einfach nicht nachhaltig.

Welches Buch muss mit in Ihren Urlaub und wo geht es hin?

Im Urlaub ganz bewusst kein Businessbuch. Lieber ein richtig guter Roman – und damit irgendwo ans Meer, wo mein Handy möglichst häufig in der Tasche bleibt. Zuletzt war es „Eine Frage der Chemie“ auf Mauritius.

Was ist Ihre größte Leidenschaft?

Menschen. Das klingt für eine Personalerin fast klischeehaft, ist aber tatsächlich so. Ich kann mich ewig damit beschäftigen, was Menschen antreibt, wie sie sich entwickeln und was sie über sich hinauswachsen lässt. Und privat darf es gerne noch eine Portion Adrenalin dazu sein, z. B. beim Fallschirmspringen.

Worauf freuen Sie sich derzeit am meisten?

Auf unser erstes Kind, das Anfang Dezember zur Welt kommt, und damit auf eine komplett neue Lebensphase. Ich glaube, dass sich dadurch noch einmal sehr vieles relativieren und verändern wird – und genau darauf bin ich unglaublich gespannt.

Welchen Rat geben Sie Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg?

Du musst nicht warten, bis die Angst weg ist. Viele der besten Dinge passieren genau dann, wenn man Angst hat und es trotzdem macht.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

„Mut wird immer belohnt.“ Manchmal mit sichtbarem Erfolg, manchmal mit einer wichtigen Lektion – aber man geht nie leer aus.

Miriam Sternitzky

Miriam Sternitzky

Dieser Artikel im Heft

„Privat darf es gerne eine Portion Adrenalin sein“

Seite
54
bis
55