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PERSONALPRAXIS

„Zögern kostet oft mehr als eine mutige Entscheidung“

Fragen an Lina Peinze

Wären Sie nicht Interim-Managerin geworden, was dann?

Ärztin. Ich wollte schon immer Menschen helfen, komplexe Probleme zu lösen und Heilung zu ermöglichen. Heute tue ich das gewissermaßen immer noch – nur eben für Unternehmen. Ich stelle Diagnosen für kränkelnde Prozesse und entwickle Therapien, die Organisationen wieder gesund und zukunftsfähig machen.

Was hat Sie in Ihren ersten Berufsjahren am meisten geprägt?

Geprägt hat mich die Erkenntnis, dass die besten Prozesse nichts nützen, wenn man die Menschen nicht mitnimmt. Der beste Rat kam von einem meiner ersten Mentoren: „Höre mehr zu, als du redest. Die Mitarbeiter wissen meistens schon, wo das Problem liegt. Du musst ihnen nur die richtigen Fragen stellen und den Mut geben, es zu lösen.“

Gibt es Lücken in Ihrem Lebenslauf?

Nein, aber es gibt bewusste Brüche und Richtungswechsel. Ich habe mich immer wieder für neue Themen wie KI oder agile Methoden entschieden und mich intensiv weitergebildet. Ich sehe das nicht als Lücken, sondern als Beweis für lebenslanges Lernen und die Fähigkeit, mich an eine sich ständig wandelnde Arbeitswelt anzupassen. Stillstand wäre für mich die größte Lücke.

Wozu haben Sie zuletzt Nein gesagt?

Zu der weitverbreiteten Annahme, dass man sich für eine Sache entscheiden muss. Ich sage Nein zur Entweder-Oder-Mentalität. Warum sollte ich mich zwischen HR, Marketing und KI entscheiden, wenn die Magie doch gerade in der Kombination dieser drei Bereiche liegt? Mein „Nein“ ist also ein klares „Ja“ zur Vielseitigkeit und zur interdisziplinären Problemlösung.

Arbeitnehmer sind dann gut, wenn …

... sie nicht nur ihre Aufgaben erledigen, sondern mitdenken, Verantwortung übernehmen und den Mut haben, konstruktiv zu widersprechen. Wenn sie ihren Job als Teil eines größeren Ganzen sehen und stolz auf ihre Arbeit sind.

Welche Themen stehen in den nächsten Monaten auf Ihrer Agenda?

Es wird eine sehr spannende Zeit: Ich schreibe bereits an meinem zweiten Fachbuch, parallel dazu befinde ich mich in der Gründungsphase für ein weiteres Unternehmen und baue mein Knowhow im Bereich KI noch weiter aus. Es geht immer darum, die nächste Wissensstufe zu erreichen.

Was bedeutet Arbeit für Sie?

Arbeit ist für mich die Möglichkeit, einen sichtbaren Beitrag zu leisten und Potenziale zu entfalten – sowohl die von Unternehmen als auch die von Menschen. Sie ist ein wesentlicher Teil meiner Identität und eine unerschöpfliche Quelle des Lernens.

Was können sich Ihre Kollegen von Ihnen abschauen?

Meinen gelebten Innovationsgeist. Ich habe keine Angst davor, neue Wege zu gehen und bin bekannt dafür, schnell und manchmal auch radikal in meinen Entscheidungen zu sein, wenn ich von einer Lösung überzeugt bin. Ich glaube fest daran, dass Zögern oft mehr kostet als eine mutige Entscheidung.

Welche Eigenschaft schätzen Sie besonders an anderen Menschen?

Verlässlichkeit. Menschen, die zu ihrem Wort stehen und das tun, was sie sagen. Das ist die Grundlage für jedes Vertrauen, beruflich wie privat.

Auf welche Rituale könnten Sie nicht verzichten?

Meinen morgendlichen Spaziergang, egal bei welchem Wetter. Das ist die Zeit, in der ich meine Gedanken sortiere, den Kopf frei bekomme und oft die besten Ideen für den Tag habe.

Was steht schon lange auf Ihrer Bucketlist und warum haben Sie es noch nicht getan?

Den Jakobsweg zu gehen. Bisher war die Taktung meiner Projekte immer so eng, dass ein so langer zusammenhängender Zeitraum einfach nicht möglich war. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Planung dafür läuft bereits im Hintergrund.

Wovon sind viele begeistert oder überzeugt, Sie jedoch nicht?

Von dem Glauben, dass Technologie allein alle Probleme lösen kann. Ich bin ein großer KI-Fan, aber ich bin fest davon überzeugt, dass Technologie immer nur ein Werkzeug ist. Ohne eine starke Unternehmenskultur, Empathie und menschliche Führung bleibt sie ein leeres Versprechen.

Wen würden Sie gern einmal treffen?

Jeff Bezos. Ich würde ihn gerne fragen, wie er es geschafft hat, das Prinzip der radikalen Kundenorientierung („Customer Obsession“) in der DNA eines so riesigen globalen Unternehmens zu verankern.

Wer war für Sie die einflussreichste Person in Ihrem Leben?

Ganz klar mein Vater. Er war Feriendorfleiter, Pädagoge und Ingenieur in einem – ein unglaublich vielseitiger Mensch, genau wie ich es sein möchte. Er war klar in seiner Meinung, nicht beeinflussbar und hat mir beigebracht, meinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn er steinig ist.

Welchen Rat geben Sie Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg?

Vertraue mehr auf dein Bauchgefühl und habe keine Angst vor Entscheidungen. Der perfekte Plan existiert nicht. Es ist besser, einen guten Plan heute umzusetzen, als auf den perfekten Plan morgen zu warten.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Erfolg hat drei Buchstaben: TUN.

Lina Peinze

Lina Peinze

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„Zögern kostet oft mehr als eine mutige Entscheidung“

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