Literaturtipp: Innovationskultur der Zukunft

Von Florian Rustler, Midas Management Verlag, St. Gallen/ Zürich 2017, 288 Seiten, Preis: 29,80 Euro

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel – die Geschwindigkeit nimmt dabei zu. Und so beginnt Florian Rustler: Ein Römer, der aus dem Jahr 400 v. Chr. über 2.000 Jahre ins Jahr 1.600 reise, könne sich noch gut integrieren und bald „ein normales Leben führen“. Vieles käme ihm bekannt vor. Sklaven gäbe es zwar nicht mehr, Frauen hätten aber immer noch keine Rechte. Vielleicht wäre er sogar etwas erstaunt, weil Demokratie gerade überhaupt nicht in Mode ist. Gerade die Arbeitswelt sei jedoch nahezu identisch subordinatorisch. Demgegenüber sei ein Zeitreisender aus dem 19. Jahrhundert in die heutige Arbeitswelt überhaupt nicht mehr einzugliedern. Von Grundrechten, über Demokratie bis zur Gleichberechtigung von Mann und Frau; vom „kleinen Kästchen“, auf dem alle herumtippen bis zu rasanten Fortbewegungsmitteln: Das Leben hat sich heute so rasant wie nie zuvor weiterentwickelt. Und doch seien trotz dieser Autonomie viele Unternehmen überwiegend „pyramidal-hierarchisch“ strukturiert. „Die Selbstständigkeit ihr Leben zu organisieren (…), geben die meisten Menschen (…) an der Eingangstür ihrer Unternehmen ab.“ Eigenverantwortliches Denken sei oftmals nicht gewünscht.
Hieran setzt der Autor anhand von Fallbeispielen an: Während andere Bücher (vgl. z. B. Reinventing Organization von Frederic Laloux) vornehmlich Unternehmen, die sich mit Selbstorganisationbefassen, analytisch betrachten, baut Rustler hierauf auf. Der Verfasser sieht selbstorganisatorische Unternehmen demnach nicht als Selbstzweck, sondern möchte in einem weiteren Schritt darauf aufbauen, ob eigenverantwortliches Arbeiten eine Auswirkung auf die Innovationskultur eines Unternehmens hat.
Dabei wird diskutiert, ob es Innovationspraktiken gibt, die auf „pyramidal-hierarchischen Settings“ zum Einsatz kommen können. Das Buch hat nicht zuletzt einen biografischen Selbsterfahrungscharakter. Der Autor führte bei seinem Unternehmen im Jahr 2016 selbst Holacracy (auf Deutsch: Holokratie) ein.
Das erste Kapitel fasst zunächst den status quo zusammen, warum das pyramidal-hierarchische Führungsmodell vorherrscht. Sodann geht der Autor im zweiten Teil auf den Begriff der Selbstorganisation ein und stellt dieses Konzept als Gegenmodell dar. Kursierende Mythen werden richtiggestellt. Zudem adaptiert Rustler das theoretische Modell auf die gelebte Praxis.
Die zweite inhaltliche Grundsäule wird im dritten Kapitel aufbereitet: Was ist eigentlich Innovation? Rustler sieht Innovation als „etwas Neues“ an, „das Nutzen für einen Markt, eine Organisation oder eine Gesellschaft bringt.“ Unter dieser Oberdefinition wird der Begriff in Einzelgruppen unterteilt, näher erläutert und grundsätzlich ein Raster entwickelt, was alles als Innovation zu verstehen ist. Im nächsten Teil (viertes Kapitel), dem Herzstück, werden zwölf Fallstudien von selbstorganisierten Unternehmen dargestellt. Es wird ein Hauptaugenmerk auf den Punkt geworfen, wie die jeweilige Organisationsstruktur mit Innovationen umgeht. Im fünften Kapitel werden die Fallstudien ausgewertet. Darauf folgt ein Ausblick( sechstes Kapitel), welche Schritte ein Unternehmen einleiten müsste, um ebenfalls freie Arbeitsabläufe zu gestalten. Im letzten Kapitel werden noch einmal einzelne Werkzeuge und Vorgehensweisen der vorgestellten, selbstorganisierten Unternehmen genauer dargestellt. Rustler zeigt auf, wie diese Methoden in traditionell geführten Unternehmen umgesetzt werden können.

Fazit: Der Autor schafft es, ein hochaktuelles Thema weiterzudenken. Auf der einen Seite werden dem Einsteiger die Materie aus Sicht der Praxis in der erforderlichen Kürze, der Begriff des selbstorganisierten Arbeitens und die einhergehenden Untersuchungsergebnisse verständlich erläutert. Auf der anderen Seite gelingt es dem Buch, den Zirkel des Selbstzwecks eines Wechsels der Unternehmensstruktur zu überwinden. Es wird deutlich, dass aus der Innovationsperspektive ein Umdenken sinnvoll sein kann. Insofern wird Stoff für den Fortgeschrittenen geboten.

 

Das EuGH-Urteil vom 14.05.19 schränkt die Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung stark ein. Die Normierung einer flächendeckenden Erfassung der täglichen Arbeitszeit durch ein „objektives, verlässliches und zugängliches“ Zeiterfassungssystem fordert der EugH.

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