Deutschland nur Durchschnitt bei HR-Faktoren

Deutschland ist nur Mittelmaß im europäischen Vergleich, was Recruiting und Beschäftigung von Mitarbeitern sowie Umstrukturierungsmöglichkeiten angeht.

Das zeigt der diesjährige „People Risk Index“ der Personalberatungsfirma Aon Hewitt. Dort landeten Berlin und Frankfurt nur auf den Rängen 13 und 14 von 29 europäischen Standorten. Untersucht wurden die Faktoren Demografie, Aus- und Weiterbildung, Talententwicklung, Beschäftigungspraktiken und gesetzliche Vorgaben. Der Spitzenplatz ging an London. Es folgen Kopenhagen, Zürich, Stockholm und Amsterdam. Berlin und Frankfurt lassen nur die Konkurrenz aus den südlichen und östlichen EU-Staaten hinter sich.

Auch im weltweiten Vergleich machen sich die beiden Städte nicht überragend. Teilten sie sich im letzten Jahr wenigstens noch den 40. Platz, findet sich Berlin nun auf dem 41. Rang wieder, Frankfurt sogar nur auf dem 44. Traumhafte Zustände finden die Arbeitgeber dagegen in New York, Toronto, Singapur, Montreal und wiederum London.

Doch woran liegt das schlechte Abschneiden? Dr. Wolf-Bertram von Bismarck von Aon Hewitt sieht die Gründe in fehlenden Fachkräften, alternden Belegschaften und strikten gesetzlichen Vorschriften. So können Berlin und Frankfurt in fast allen Bereichen mit den Besten mithalten.

Beim Thema „Bildung“ ziehen sie sogar in den meisten Teilbereichen gleichauf mit dem Spitzenreiter New York. Doch bei den Bildungsausgaben sind sie weit abgeschlagen. „Für Unternehmen bedeutet das, dass der Nachwuchs an Fachkräften nicht gesichert ist, wie der gern überhörte Schrei der Industrie in Deutschland nach qualifiziertem Nachwuchs bereits zeigt“, folgert von Bismarck.

Bei der Sparte „Entwicklung von Talenten“ sind die Deutschen ebenfalls ganz vorne dabei. Insbesondere mit der Vielsprachigkeit der Fachkräfte können sie punkten. Doch wandert dieser Vorteil kontinuierlich ins Ausland ab, weil viele hoch qualifizierte Fachkräfte Deutschland den Rücken kehren.

„Mit am schwersten wiegt jedoch die Überalterung der Gesellschaft und die mangelnde Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte“, glaubt von Bismarck. Darüber hinaus tun die rigiden Lohnkosten sowie die strikten gesetzlichen Vorgaben ihr Übriges, um den Standort unattraktiv zu machen.

„Unternehmen mit Standorten in Deutschland müssen sich tatsächlich ernsthaft Gedanken darüber machen, woher sie zukünftig ihre Fachkräfte rekrutieren. Entsprechend hoch ist die Konkurrenz um die qualifizierten Köpfe; sie im Betrieb zu halten erfordert Engagement und Investitionen,“ mahnt von Bismarck.

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