Zwischenbilanz bei „Anonymisierten Bewerbungsverfahren“

Quelle: Antidiskrimi-nierungsstelle des Bundes
Quelle: Antidiskrimi-nierungsstelle des Bundes

Positives Feedback der Personaler meldet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes als Zwischenbilanz zum Pilotprojekt „Anonymisierte Bewerbungsverfahren“ ein halbes Jahr nach seinem Start (s. AuA-Schlagzeilen vom 13.4., 20.8. und 29.11.2010).

Aus 4.000 anonymen Bewerbungen hätten die teilnehmenden fünf Unternehmen und drei öffentlichen Arbeitgeber 111 Stellen besetzt, und zwar vom Lehrling über Studienplätze bis hin zu technischen Jobs und Positionen im Kundenservice oder mittleren Management. Dabei sei das Fehlen von Fotos und persönlichen Angaben, wie Name, Alter, Geschlecht, Herkunft und Familienstand, kein Hindernis gewesen. Allerdings hätten laut Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, die Personaler die dadurch erzwungene Fokussierung auf die Qualifikationen nur „tendenziell als positiv bewertet“. Erfreulich sei aber, dass sich alle vier im Modellprojekt erprobten Anonymisierungsmethoden als alltagstauglich erwiesen hätten. Getestet werde derzeit: ein standardisiertes Bewerbungsformular zum Herunterladen aus dem Internet bzw. als Online-Maske, das Blindschalten sensibler Daten durch ein Onlinesystem, die Übertragung von Bewerberdaten in eine Tabelle und das Schwärzen per Hand oder im pdf-Dokument.

 

„Auch die Rückmeldungen der Bewerber sind ermutigend“, teilte Lüders mit. So hätten 45 % von ihnen angegeben, sie würden anonymisierte Bewerbungsverfahren bevorzugen. Rund 19 % sei es egal, welche Variante zum Einsatz komme. 36 % fänden das altbekannte Verfahren besser. Am zeitlichen Aufwand scheint es ebenfalls nicht zu scheitern. Für 44 % der Kandidaten mache es keinen Unterschied, ob sie sich herkömmlich oder anonymisiert bewerben. Rund 32 % fänden sogar das herkömmliche Verfahren zeitaufwändiger. Nur 24 % halte das anonymisierte Verfahren mehr auf.

 

Das Fazit der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle: „Die Ergebnisse dieser Zwischenanalyse bestärken uns in der Auffassung, dass anonymisierte Bewerbungsverfahren auch in Deutschland mit seiner sehr traditionellen Bewerbungskultur durchführbar sind. Dabei sollten anonymisierte Bewerbungsverfahren nach dem Willen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes freiwillig bleiben. Die Befürchtungen in Teilen der Wirtschaft, das neue Verfahren sei enorm aufwändig und praktisch nicht umsetzbar, haben sich als unbegründet erwiesen. Vielmehr wird das neue Verfahren in der Tendenz sowohl von den Personalverantwortlichen als auch von den Bewerbenden als unproblematisch empfunden.“

 

Die teilnehmenden Unternehmen sind die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, L´Oréal, der Geschenkdienstleister Mydays, Procter & Gamble, das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit Nordrhein-Westfalen und die Stadtverwaltung von Celle. Das Pilotprojekt wird während der gesamten Dauer wissenschaftlich begleitet und im Anschluss umfassend ausgewertet.

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