Donnerstag, 2. September 2010

Kündigung wegen Stromdiebstahls

Eine neue „Bagatellkündigung“ wurde nun in zweiter Instanz vom LAG Hamm entschieden; es ging um einen Schaden von 1,8 Cent. Das LAG hat – wie zuvor bereits das Arbeitsgericht Siegen – die Kündigung für unwirksam gehalten (Urt. v. 2.9.2010 – 16 Sa 260/10).

Der Kläger ist bei der Beklagten seit 1990 beschäftigt. Im Mai 2009 hatte er sich für einige Tage einen Elektroroller gemietet, den er für eine Fahrt in den Betrieb nutzte. Dort schloss er das Fahrzeug an eine Steckdose an, um den Akku aufzuladen. Ein Vorgesetzter forderte ihn auf, den Roller vom Stromnetz zu nehmen, nachdem dieser ca. 1,5 h aufgeladen worden war, wobei der Arbeitgeberin Stromkosten i. H. v. ca. 1,8 Cent entstanden sind. Diese kündigte dem Mitarbeiter daraufhin außerordentlich fristlos sowie hilfsweise ordentlich fristgerecht, da er ein Vermögensdelikt zu ihrem Nachteil begangen habe, indem er heimlich auf ihre Kosten seinen privaten Elektroroller am Stromnetz aufgeladen hat.

Das Arbeitsgericht Siegen hat die Kündigung für unwirksam gehalten. Die hiergegen gerichtete Berufung blieb vor dem LAG ohne Erfolg.

Bei der Interessenabwägung haben die Hammer Richter den geringen Schaden von 1,8 Cent, die 19-jährige Beschäftigung des Klägers und nicht zuletzt den Umstand, dass im Betrieb Handys aufgeladen und elektronische Bilderrahmen betrieben wurden, die Arbeitgeberin aber nicht eingegriffen hätte. Daher hätte das verlorengegangene Vertrauen durch eine Abmahnung wieder hergestellt werden können.

Auch einen Antrag auf Auflösung des Arbeitsverhältnisses wegen des Verhaltens des Klägers nach seiner Kündigung in den Medien und im Unternehmen wurde abgelehnt.

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