Schwerbehinderter erhält Entschädigung nach AGG

Ein schwerbehinderter Bewerber hat einen Anspruch nach dem AGG, wenn ihn der Arbeitgeber zwar zum Vorstellungsgespräch einlädt, ihn aber auf die geringen Erfolgsaussichten seiner Bewerbung bereits in der Einladung hinweist. Das geht aus einem am 24.1.2015 veröffentlichten Urteil des LAG Baden-Württemberg vom 3.11.2014 (1 Sa 13/14) hervor.

Ein Schwerbehinderter bewarb sich beim Landkreis auf eine ausgeschrieben Stelle als Projektmanager. Erforderlich waren laut Ausschreibung u. a. gute Fremdsprachenkenntnisse. Der Kandidat machte dazu in seiner Bewerbung keine Angaben. Deshalb teilte ihm der Arbeitgeber mit, er habe gerne die Gelegenheit zu einem Vorstellungsgespräch, solle aber wegen der geringen Erfolgsaussichten und der weiten Anfahrt mitteilen, ob er das Gespräch wünsche. Der Schwerbehinderte äußerte sich dazu nicht und machte nach Ablehnung seiner Bewerbung eine Entschädigung nach § 15 Abs. 2 AGG geltend.

Das LAG Baden-Württemberg gab der Klage statt. Der öffentliche Arbeitgeber muss den Schwerbehinderten nach § 82 Satz 2 SGB IX zum Vorstellungsgespräch einladen - selbst dann, wenn er anhand seiner Unterlagen nicht in die nähere Auswahl kommt. Die „abschreckende“ Einladung zum Vorstellungsgespräch begründet die Vermutung einer Benachteiligung wegen Behinderung. Nur wenn die Eignung offensichtlich fehlt, darf der Arbeitgeber davon absehen. Der Landkreis hatte den Bewerber trotz nicht nachgewiesener Fremdsprachenkenntnisse eingeladen, so dass keine Ausnahme vorliegt.

Printer Friendly, PDF & Email

Wird von einem öffentlichen Arbeitgeber eine Stelle nur für Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit Bedrohte ausgeschrieben, benachteiligt er dadurch

Die Zweimonatsfrist in § 15 Abs. 4 AGG zur Geltendmachung von Entschädigungs- oder Schadensersatzansprüchen ist wirksam und verstößt nicht gegen EU

Ein Schwerbehinderter muss seine Einschränkung grundsätzlich in jedem Bewerbungsschreiben mitteilen, wenn er den besonderen Schutz und die Förderung