„Meine Definition von Erfolg hat sich verändert“
Wären Sie nicht Arbeitsrechtlerin geworden, was dann?
Kriegsberichterstatterin. Ich fand als junges Mädchen Antonia Radost so beeindruckend, sie war ein weibliches Rolemodel in einer Männerdomäne für mich.
Warum haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?
Nach Jahren als Arbeitnehmer-Anwältin wollte ich näher an die Strukturen ran und die Seite wechseln. Unternehmen haben große Gestaltungsmacht, im Aufsichtsrat gilt das nochmal auf eine andere Art.
Was hat Sie in Ihren ersten Berufsjahren am meisten geprägt und welcher Rat hat Ihnen am meisten genützt?
Am Ende kommt es darauf an, dass sich die Mandantschaft gut vertreten fühlt. Das gewünschte Ergebnis ist ein Element bei Verhandlungen, aber wir sind Dienstleister.
Gibt es Lücken in Ihrem Lebenslauf?
„Ja. War geil.“ ist die Instagram-Posting Antwort darauf. Letztlich gibt es aber immer einen roten Faden, auch in den Lücken: Mich zieht es dorthin, wo es weh tut.
Wozu haben Sie zuletzt Nein gesagt?
Privat sage ich ständig nein, ich bin Mutter von Teenagern. Beruflich bin ich ein Möglichmacher, da passt „Nein“ selten und wird zu „Ja, aber“.
Arbeitnehmer sind dann gut, wenn …
… sie kreativ und leidenschaftlich sein dürfen. Nur dann finden sie auch Sinn in den nervigen und harten Aspekten des beruflichen Alltags.
Was war Ihre beruflich schwerste Entscheidung?
Es gibt nicht die eine, ich arbeite letztlich ständig im Grenzbereich der schweren Entscheidungen.
Welche Themen stehen in den nächsten Monaten auf Ihrer Agenda?
KI. Kann keiner mehr hören, ist aber trotzdem wahr. Wir müssen die Bedenken in aktive Vorfreude verwandeln und in etwas, was allen, nicht nur wenigen nutzt.
Was bedeutet Arbeit für Sie?
Neugier schlägt Routine. Immer.
Was können sich Ihre Kollegen von Ihnen abschauen?
Ich hole mir Probleme aktiv auf den Tisch und sehe sie als Lösungsauftrag. Das macht mir Spaß und ich glaube, darin bin ich sehr gut.
Welche Eigenschaft schätzen Sie besonders an anderen Menschen?
Wenn sie nett sind. Ich lehne dieses blödsinnige Erfolgsmotto „Nice doesn’t get you anywhere“ strikt ab. Man kann nett und souverän gleichzeitig sein.
Wie haben sich Ihre Ziele im Laufe Ihres Lebens verändert?
Nicht meine Ziele, sondern meine Definition von „Erfolg“ hat sich verändert. Ich hoffe das bleibt im Wandel.
Wofür hatten Sie schon als Kind eine Begeisterung, die Sie bis heute behalten haben?
Ich handarbeite gerne. Wenn also jemand eine „Häkeln for future“-Gruppe gründen möchte, ich bin dabei.
Was lesen Sie in AuA zuerst?
Immer dieselbe Reihenfolge: Titelthema, News, Urteilsbesprechungen.
Gibt es eine schlechte Angewohnheit, die Sie gerne loswerden würden?
Ich habe permanent mein Handy in der Hand. Statt zu schlafen, recherchiere ich wie groß ALF war oder welche Frisur Jesus hatte. Das muss dringend aufhören.
Womit würden Sie sich gerne richtig gut auskennen?
Ich würde gerne richtig gut kochen können und verstehen, warum Bacon und Vanilleeis eine Knaller-Kombi sind.
Auf welche Rituale könnten Sie nicht verzichten?
Weihnachten. Ich glaube, ich bin der Grund, warum es im September schon Lebkuchen im Supermarkt gibt.
Wovon sind viele begeistert oder überzeugt, Sie jedoch nicht?
Von dem Satz „Leistung muss sich lohnen“. Wir definieren Leistung in unserer Gesellschaft viel zu eng, um das als Startpunkt für gute Zukunftspläne zu proklamieren.
Wen würden Sie gern einmal treffen?
Meine Oma, sie starb als ich 15 war. Sie war die einzige Frau im Bosch Betriebsrat in den 50ern. Darüber würde ich gerne mit ihr sprechen können.
Welches Buch muss mit in Ihren Urlaub und wo geht es hin?
Immer nach Korsika und da lese ich ausschließlich Dinge, die nichts mit meinem Job zu tun haben. Drachen reiten, Zaubertränke brauen, Garten umgestalten. Sowas.
Welchen Rat geben Sie Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg?
Das, was andere an Dir schräg finden, ist Teil Deiner Stärke.
Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?
Umgib dich mit Menschen, die besser sind als Du.
