Donnerstag, 16. Mai 2019

Whistleblowing-Report deckt Missstände in Unternehmen auf

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Steuerbetrug, Geldwäsche und sexuelle Belästigung – diese Straftaten wurden im vergangenen Jahr in 39 % der Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Großbritannien laut dem „Whistleblowing Report 2019“ aufgedeckt. Es handelt sich um eine internationale Studie, die von der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur und dem Münchener Technologieanbieter EQS Group durchgeführt wurde. Insgesamt haben 1.392 Unternehmen ab einer Größe von 20 Mitarbeitern an der Umfrage hierzu teilgenommen. Die meisten Missstände traten in britischen Unternehmen mit mehr als 249 Mitarbeitern auf.

Obwohl es mittlerweile neue Vorschriften zum Schutz von Hinweisgebern – vom europäischen Parlament am 16.4.2019 dieses Jahres angenommen – gibt, existiert gerade einmal in 56 % der deutschen Unternehmen und bei 53 % der französischen Arbeitgeber (Großbritannien und Schweiz: jeweils 65 %) eine Meldestelle. Das ist eine zentrale Forderung der neuen EU-weiten Regelungen. In Gesellschaften mit mehr als 500 Mitarbeitern soll es eine Verpflichtung zur Einrichtung einer entsprechenden Stelle geben. Unternehmen, die dies bereits umgesetzt haben, bieten potenziellen Hinweisgebern drei Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen:

  • Klassischer Meldekanal (persönlicher Besuch, Brief, Telefon, Fax und E-Mail),
  • Webbasiertes System und
  • Spezielle Hotline.

Die Meldestellen richten sich vorrangig an die jeweiligen Mitarbeiter. Bei der Hälfte der Unternehmen sind aber auch Kunden und Lieferanten angehalten, illegales bzw. unethisches Verhalten zu melden. Von den im vergangenen Jahr eingegangenen Meldungen erwies sich jede zweite als relevant und gehaltvoll. Lediglich ein Bruchteil der Hinweise war missbräuchlich. Insgesamt konnten fast 30 % der befragten Unternehmen mehr als 60 % des finanziellen Schadens dank des Hinweisgebersystems aufdecken.

Whistleblower mögen es übrigens anonym: 58 % der Erstmeldungen gingen ohne Hinweis auf die Identität der meldenden Person ein.
Prof. Dr. Christian Hauser ist Projektleiter an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur und für die Studie verantwortlich. Für ihn sind die Meldestellen der Schlüssel zum Erfolg: „Meldestellen sind ein wirksames Instrument, um illegales und unethisches Verhalten offenzulegen und tragen auch entscheidend zum Schutz der Reputation bei. Die Studie zeigt, dass Unternehmen auch darüber hinaus in vielfältiger Weise von ihrer Meldestelle profitieren." Der Anteil an Unternehmen mit Meldestellen werde künftig zunehmen, nicht zuletzt aufgrund der europäischen Initiativen. Das bestätigt auch ein letzter Blick in die Studie: Etwa ein Drittel der befragten Arbeitgeber ohne Meldesystem gab an, über die Einführung zu diskutieren bzw. die Umsetzung in den nächsten zwölf Monaten konkret zu planen.

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