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Inga Höltmann Gründerin der Accelerate Academy, Teamentwicklerin und Expertin für (Zusammen-)Arbeit Bild: Axel Kuhlmann
Bild: Axel Kuhlmann
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MEINUNG

Meinung: New Work ist nicht tot – nur endlich entlarvt

New Work ist tot – zumindest als Mode: Der Hype ist vorbei, das spürt man deutlich. Und das ist leider auch vollkommen richtig so: Denn so, wie wir mit Neuer Arbeit umgingen, war sie nur noch eine leblose Hülle ihrer selbst, degradiert zu einem Marketingbegriff, angefüllt mit Nichtigkeiten wie dem Obstkorb und dem Kicker. Und was viele Mitarbeitende dann auch folgerichtig erlebt haben, waren zwar schicke Büros und den ein oder anderen Workshop, aber auch, dass sich an den entscheidenden Stellen wenig getan hat. Sie arbeiten weiterhin in chaotischen Prozessen, müssen ständig erreichbar sein und sind den ganzen Tag mit Terminen durchgetaktet. Während sie gleichzeitig viel zu oft erleben, dass sie nicht zu den wichtigen Aufgaben kommen, an denen sie gemessen werden, Entscheidungen verschleppt werden und sie nicht gut geführt werden – weil die Führungskräfte ebenso aufgerieben und unklar sind.

In diesem Delta wurde New Work pulverisiert, bis nicht mehr viel von ihr übrig war. Aus der Debatte über bessere Arbeit war eine Debatte um schönere Büros geworden – in denen die Menschen aber trotzdem nicht besser als zuvor arbeiten. Den Todesstoß bekam Neue Arbeit, als die Welt sich drehte und die Probleme, auf die sie eigentlich eine Antwort hatte sein sollen, um so größer und ungelöster gen Himmel wuchsen: KI, Krisen, Produktivitätsdruck sind die dringenden Aufgaben, aber nirgendwo wird Neue Arbeit wirksam. Weil wir ihr nicht gestattet hatten, wirklich bis in den Kern unserer Unternehmen und ihrer Entscheidungsstrukturen vorzudringen – sowohl räumlich als auch mental und strukturell.

Stattdessen sehen wir, wie KI die Unternehmen auf den Kopf stellt und eher der technologische Fortschritt den Takt vorgibt als ein bewusstes Gestalten. Dabei verändert KI nicht nur Tätigkeiten, sondern Unternehmen in der Grundstruktur ihres Betriebssystems: Wissensarbeit, Zusammenarbeit, Kompetenzprofile, Verantwortlichkeiten – all das ist einer rasanten Veränderung unterworfen. Das Problem: Unternehmen führen gerade KI in Organisationen ein, deren Prozesse oft schon ohne KI kaum sauber funktionieren.

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Globale Krisen wie geopolitische Unsicherheit, Lieferkettenprobleme, Fachkräftemangel oder der demographische Wandel erhöhen den Anpassungsdruck von Unternehmen. Und was tun wir? Wir debattieren über das Home-Office. Doch die eigentliche Frage sollte nicht lauten: „Wo arbeiten wir?“, sondern „Wie organisieren wir Zusammenarbeit in komplexen, volatilen Systemen?“. Und dann wird aus der Frage „Remote oder Präsenz?“ ein ganzer Strauß an den echten Fragen: „Wie treffen wir Entscheidungen?“, „Wie setzen wir klare Prozesse auf?“, „Wie schaffen wir Fokus?“, „Welche Arbeit sollte noch von Menschen gemacht werden?“

Das bedeutet: Wir brauchen eine ganz neue Neue Arbeit – oder, wie ich es nenne, ein neues Work Design. Und das ist: Ernsthafte Organisationsarbeit. Nicht Herumdoktern an Einzelnen, um sie produktiver zu machen, z. B. durch Coaching. Sondern durch klare Prozesse, weniger Kommunikationsmüll, sinnvoll integrierter KI und einer Führung des neuen Jahrtausends.

Und das ist Arbeit. Arbeit an der Arbeit – ich nenne das Meta-Arbeit. Diese neue Neue Arbeit muss weg vom toten Hype, weg vom Lifestyle, hin zur echten Organisationsentwicklung. New Work ist nie daran gescheitert, dass die Idee falsch war, sondern daran, dass sie verniedlicht, entkräftet, blass gemacht wurde. Denn wer glaubt, KI allein werde Unternehmen produktiver machen, unterschätzt ein altes Problem: Schlechte Organisation ist digital genauso schlecht wie analog.

Inga Höltmann

Inga Höltmann

Gründerin der Accelerate Academy (www.accelerate-academy.de), Teamentwicklerin und Expertin für (Zusammen-)Arbeit
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