Meinung: Start-ups in Deutschland

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David Hanf, Stellv. Präsident und Mitgründer des Bundesverbands Deutsche Startups e. V., Geschäftsführer und CFO des Start-ups Thermondo.de sowie aktiver Business Angel Bild: Hanf
David Hanf, Stellv. Präsident und Mitgründer des Bundesverbands Deutsche Startups e. V., Geschäftsführer und CFO des Start-ups Thermondo.de sowie aktiver Business Angel Bild: Hanf

Start-ups sind wichtige Innovationstreiber, stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit und tragen dazu bei, Arbeit und Wohlstand zu sichern. In der anhaltenden Corona-Pandemie haben junge und innovative Unternehmen zudem eindrucksvoll ihre Bedeutung bei der Bewältigung der Krise unter Beweis gestellt. Das reichtvon digitalen Kommunikations- und Bildungsangeboten,über Kontaktverfolgungs-Apps, bis hin zur Entwicklung des Impfstoffs selbst. Anders als etablierte Unternehmen haben Start-ups kaum Möglichkeiten, sich über Kredite zu finanzieren. Um ihr schnelles Wachstum zu gewährleisten, sind sie daher auf private Eigenkapitalgeber angewiesen. Die schlimmsten Befürchtungen, dass Investoren angesichts der Unsicherheit der Krise ihre Aktivitäten zurückfahren, bewahrheiteten sich jedoch nicht. Zwar sank das Investitionsvolumen 2020 um 15 % auf 5,3 Milliarden Euro, die Anzahl der finanzierten Start-ups stieg allerdings um 6 % auf knapp 750. Auch das spezifisch für Start-ups geschnürte Hilfspaket der Bundesregierung i. H. v. 2 Milliarden Euro leistete einen wichtigen Beitrag, das befürchtete Start-up-Sterben zu vermeiden.

Anfang 2021 erreichten Start-ups wie Personio, Sennder und Gorillas den Unicorn-Status und stiegen damit in den exklusiven Kreis von Unternehmen auf, die eine Unternehmensbewertung von mehr als 1 Milliarde Euro vorweisen können. Diese Erfolgsbeispiele verdeutlichen die wachsende Attraktivität und zunehmende Reife des Start-up-Ökosystems in Deutschland. Doch bei großen Finanzierungsrunden dominieren weiterhin außereuropäische Investoren. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Wertschöpfung außerhalb Europas stattfindet. Die im vergangenen Jahr erfolgten Verschärfungen im Außenwirtschaftsgesetz und die sich abzeichnenden neuen Restriktionen der Außenwirtschaftsverordnung tragen nicht dazu bei, Abhilfe zu schaffen. Im Gegenteil: Sie verschärfen das Problem und verringern damit die Attraktivität des deutschen Investitionsstandorts. Denn die Beschränkung außereuropäischer Investitionsaktivitäten in Deutschland wird im Umkehrschluss nicht zu einem Anstieg inländischer Investitionen führen, da es schlicht kaum europäische Investoren gibt, die in der Lage sind, entsprechend große Finanzierungsrunden zu stemmen.

Der von der Bundesregierung angekündigte „Zukunftsfonds“ mit einem Volumen von 10 Milliarden Euro soll dazu beitragen, das zu ändern. Die Chance hat er. Entscheidend ist das Modul „Dachfonds“, das Kapital privater institutioneller Investoren wie Pensions- und Krankenkassen für die Anlageklasse Wagniskapital zurückgewinnen soll. Das Geld ist da, es wird aktuell nur noch nicht zukunftsorientiert allokiert.

Trotz der Einsicht der fundamentalen Bedeutung von Start-ups für den Wirtschaftsstandort Deutschland undihrer positiven und hohen Aufmerksamkeit in der Politik, bleiben die ergriffenen Maßnahmen oft unzureichend. Das gilt auch für das wichtige Thema der Mitarbeiterbeteiligung. Sie ist für Start-ups essenziell, wenn es um die Gewinnung von Talenten geht. Damit gleichen sie den systemischen Nachteil aus, den sie hier gegenüber etablierten Unternehmen haben. Die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen vonMitarbeiterbeteiligungen sind in Deutschland im internationalen Wettbewerb indes herausragend schlecht. Auch hier stellte die Bundesregierung Besserungen in Aussicht. Olaf Scholz sprach davon, Deutschland in diesem Bereich zu einer internationalen Spitzenposition zu führen. Doch die neuen Regelungen bleiben trotz guter Ansätze und Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren auf halber Strecke stecken und sind leider nicht der erhoffte „Gamechanger“. Es bedarf eines Neuanlaufs.

Um Deutschland als Start-up-Standort wirksam zu stärken und nachhaltig und international erfolgreiche Unternehmen zu bauen, sind noch größere politische Anstrengungen erforderlich. Vor allem gehört dazu, so plakativ es klingt, größer zu denken. Die Geschwindigkeit, mit der solche Unternehmen entstehen, hat enorm zugenommen, wie allein das geringe Alter einiger der wertvollsten Unternehmen der Welt zeigt. Das bedeutet u. a., dass wir neben Kapital und Mitarbeitern auch den Exit stärken müssen, denn dauerhaft erfolgreich werden Start-ups nur, wenn auch hinreichend Exit-Kanäle zur Verfügung stehen: zumeist der Verkauf oder der Gang an die Börse. Die Erkenntnis der Bedeutung von Start-ups muss konsequentes Handeln nach sich ziehen. Viele wichtige Schritte wurden in den letzten Jahren bereits gemacht. Jetzt gilt es, diesen Weg mit Entschlossenheit auch in den folgenden Regierungen fortzusetzen.

David Hanf

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