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Bild: deagreez/adobe stock
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KI bedroht Einstiegsjobs im Tech-Sektor

Künstliche Intelligenz (KI) verändert den Arbeitsmarkt grundlegend und könnte vor allem Berufseinsteiger hart treffen. Eine aktuelle Analyse der Jobplattform Indeed zeigt: Einstiegspositionen im Tech-Bereich gehen in den USA wie auch in Deutschland deutlich stärker zurück als Stellen für erfahrene Fachkräfte.

Während sich die Zahl der Tech-Stellen für Berufstätige mit mehr als fünf Jahren Erfahrung in den USA seit 2020 nur um 19% verringerte, brachen Junior-Positionen im gleichen Zeitraum um 34% ein. In Deutschland ist der Trend noch deutlicher: In der Softwareentwicklung liegt die Zahl der Junior-Stellen mit 54% unter dem Niveau von 2020, bei Senior-Positionen beträgt das Minus lediglich 15%. In der IT-Infrastruktur und im Support stieg die Zahl erfahrener Stellen sogar um 27% – während die Nachfrage nach Nachwuchskräften um mehr als 40% zurückging.

Die Analyse macht auch einen zeitlichen Zusammenhang sichtbar: Seit Mitte 2022 nimmt die Zahl der Tech-Stellen ab, parallel dazu stiegen seit Anfang 2023 – kurz nach der Veröffentlichung von ChatGPT-3 – die Anforderungen an die Berufserfahrung. Inzwischen setzen 42% der US-Tech-Stellenanzeigen mindestens fünf Jahre Erfahrung voraus (2022: 37%). In anderen Branchen ist der Trend gegenläufig. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach spezialisierten KI-Jobs rasant: Ausschreibungen für Machine Learning ­Engineers haben seit 2020 um 56% zugenommen, mit Mediangehältern von rund 260.000 US-Dollar zählen sie zu den bestbezahlten Positionen der Branche.

„Die ersten Zahlen aus der deutschen Tech-Branche legen nahe, dass der Einsatz von KI auch hier eine Rolle beim Rückgang von Einstiegsjobs spielen könnte. […] Klar ist aber auch: Ohne Berufseinsteiger von heute fehlen die Fachkräfte von morgen. Der demografische Wandel wird in den kommenden Jahren viele erfahrene Mitarbeitende aus dem Arbeitsmarkt abziehen. Umso wichtiger ist es, jungen Talenten den Einstieg zu ermöglichen und langfristige Entwicklungsperspektiven zu bieten. Unternehmen, auch in Deutschland, müssen sich daher fragen, wie sie Effizienzgewinne durch den Einsatz von KI realisieren können, ohne dabei den eigenen Nachwuchs aus dem Blick zu verlieren“, erklärt Dr. Virginia Sondergeld, ­Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin bei Indeed.

Redaktion (allg.)