Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz: Ansprechen statt aussitzen
Psychische Gesundheit beeinflusst, wie Menschen ihre Arbeit erleben und bewältigen. Dennoch passiert es, dass psychische Störungen – häufig aus Scham oder Unsicherheit – verschwiegen werden. Auch Kolleginnen, Kollegen und Führungskräfte können verunsichert sein. Als Folge zögern sie, Auffälligkeiten anzusprechen. Dabei kann ein Gespräch oft der erste Schritt zu Unterstützung sein.
Führungskräfte müssen nicht therapieren, aber handeln.
Führungskräfte sind keine Therapeutinnen oder Therapeuten. Dennoch sollten sie Warnsignale nicht ignorieren. Wer Veränderungen bemerkt, kann ein Gespräch anbieten, zuhören und auf betriebliche oder professionelle Hilfe hinweisen. Dabei gilt: Beobachtungen wertschätzend ansprechen, keine Diagnose stellen und gemeinsam den nächsten Schritt klären. Die ifaa-Handlungshilfe zum Umgang mit psychisch auffälligen Beschäftigten gibt Führungskräften Orientierung. Sie hilft, Auffälligkeiten einzuordnen, Gespräche vorzubereiten und die eigene Rolle samt Grenzen zu kennen.
Fünf konkrete Schritte für Unternehmen:
- Psychische Gesundheit zur Führungsaufgabe machen und offen darüber sprechen.
- Führungskräfte auf sensible Gespräche vorbereiten und feste Ansprechstellen benennen.
- Arbeitsbedingungen regelmäßig prüfen und alltagstaugliche Verbesserungen gemeinsam mit den Beschäftigten entwickeln.
- Verlässlich informieren und soziale Unterstützung stärken.
- Unterstützungsangebote sichtbar machen und einen vertraulichen Zugang sichern.
Vier konkrete Schritte für Beschäftigte:
- Veränderungen des eigenen Wohlbefindens ernst nehmen und das Gespräch früh suchen.
- Pausen und Erholungszeiten nutzen, eigene Grenzen beachten und Hilfe annehmen.
- Kolleginnen und Kollegen aufmerksam ansprechen, respektvoll zuhören und nicht vorschnell urteilen.
- Betriebliche oder professionelle Beratung nutzen, wenn die eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen.
- Arbeit kann die psychische Gesundheit stützen.
Gut gestaltete Arbeit gibt Struktur, ermöglicht soziale Kontakte und schafft Anerkennung, Entwicklung und Teilhabe. Das gelingt nicht durch Aktionstage allein. Unternehmen können mit gesundheitsgerechten Arbeitsbedingungen wichtige Rahmenbedingungen schaffen und die Bedarfe ihrer Beschäftigten, wo möglich, berücksichtigen.
Auszug aus Pressemitteilung des ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft vom 7.10.2026
