Fragen an Christin Clodius

„Such dir eine Aufgabe, die dir wirklich Spaß macht“
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Christin Clodius, Head of HR, ROLAND-Gruppe, Köln Bild: ROLAND-Gruppe
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Wären Sie nicht Personalerin geworden, was dann?

Puh, schwierige Frage – ich habe mich schon sehr früh im Studium für den Schwerpunkt HR und Organisation interessiert und diesen dann weiter vertieft. Daher habe ich nie ernsthaft nach Alternativen geschaut. Wenn eine Station in meiner Karriere mal weiter weg von Personalthemen war, habe ich doch immer relativ schnell den Weg zurück zu HR gesucht und gefunden. In jedem Fall wäre es immer ein Job mit engem Bezug und Kontakt zu Menschen.

Warum haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?

Für mich ist der Austausch mit anderen extrem wichtig, das gibt mir viel Energie. Zudem ist man in HR nicht zwingend auf eine Branche festgelegt und immer irgendwie mittendrin, da man Schnittstellen zu allen Bereichen eines Unternehmens hat. Das ist für mich das Spannende an HR: Man bleibt in seiner Expertise, kann diese vertiefen und bewegt sich dennoch immer wieder in völlig anderen Fachgebieten. Man kann bzw. muss immer wieder verschiedene neue Perspektiven einnehmen und verstehen.

Was hat Sie in Ihren ersten Berufsjahren am meisten geprägt?

Ich bedankte mich in meinem ersten Job per E-Mail bei zwei Kolleginnen, die mir bei einer schwierigen Aufgabe geholfen hatten. Sie bedankten sich anschließend ihrerseits ungläubig für meine Worte. Sie hatten im Unternehmen noch nie erlebt, dass jemand ihr Tagesgeschäft nicht als selbstverständlich erachtete. Damals schwor ich mir, dass ich, unabhängig von meiner Position, immer versuchen würde, darauf zu achten, weiterhin nahbar und wertschätzend zu sein.

Welcher Rat hat Ihnen am meisten genützt?

„Du musst – je weiter du beruflich kommst – flexibler sein, als dir vielleicht manchmal lieb ist oder dir vorher bewusst war. Aber wo Flexibilität in Verbiegen umschlägt, das definierst du selbst. Definiere dies so früh es geht und bleibe bei dieser Grenze.“ Denn mir ist – gerade in meiner Funktion – wichtig, dass ich jeden Abend ohne schlechtes Gefühl in den Spiegel gucken kann.

Gibt es Lücken in Ihrem Lebenslauf?

Wenn irgendwer heute noch Elternzeiten als Lücken bezeichnen möchte, dann habe ich drei Lücken im Lebenslauf – die mit Abstand bestgefüllten beruflichen Auszeiten mit einem der größten persönlichen Lerneffekte, die das Leben einem anbietet.

Was war Ihre beruflich schwerste Entscheidung?

In HR muss man unweigerlich manchmal schwierige Entscheidungen treffen, die einem nicht leichtfallen, da sie fast immer unmittelbar Menschen betreffen. Für mich persönlich war es wohl in meiner ersten größeren Führungsrolle die Entscheidung gegen die weitere – quasi schon gesetzte – Karriere im Facility Management wieder zurück zu HR. Und das ohne eine klare Perspektive, ob und wie es hier für mich weitergehen würde. Ich habe dies aber nie bereut, da ich so zurück zu meiner fachlichen Leidenschaft gekommen bin. Der Weg zu dieser Erkenntnis war damals jedoch sehr kräftezehrend und persönlich nicht einfach, da ich Menschen, die mich sehr gefördert haben, enttäuschen musste.

Welche Eigenschaft schätzen Sie besonders bei anderen Menschen?

Sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und ehrlich über sich selbst (und mit anderen) lachen zu können.

Gibt es eine schlechte Angewohnheit, die Sie gern loswerden würden?

Ich bin leider mit zunehmend vollem Terminkalender unpünktlicher geworden. Daran arbeite ich gerade jetzt wieder stärker, auch wenn es mir oft wirklich schwerfällt, mich besser zu disziplinieren. Aber es ist für diejenigen, die dann auf mich warten müssen, einfach nicht wertschätzend und das ärgert mich selbst sehr.

Was steht schon lange auf Ihrer Bucketlist und warum haben Sie es noch nicht getan?

Japan zu bereisen sowie auf die Galapagosinseln zu fahren. Dieser fehlende Haken auf der Bucketlist ist bisher (noch) den drei „Lücken“ in meinem CV geschuldet ;-)

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Wovon sind viele begeistert oder überzeugt, Sie jedoch nicht?

Sehr zum Leidwesen meines Mannes und mittlerweile auch unseres ältesten Sohnes werde ich wohl nie mehr eine Begeisterung für Science-Fiction und Fantasy entwickeln.

Mit wem würden Sie gern mal ein Bier/ein Glas Wein trinken?

Etwas trinken vielleicht nicht, aber ich wäre wahnsinnig gern einmal stiller Beobachter bei einer Arbeitswoche von Angela Merkel gewesen.

Worauf freuen Sie sich derzeit am meisten?

Endlich wieder „richtig“ Karneval zu feiern, Konzerte nachzuholen und mehr reisen zu können nach den letzten doch sehr eingeschränkten Jahren.

Welchen Rat geben Sie Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg?

Such dir eine Aufgabe, die dir wirklich Spaß macht – denn nur so kannst du auf Dauer 100% geben. Wenn du nicht eine grundsätzliche Leidenschaft an der Aufgabe und der damit verbundenen Verantwortung mitbringst, wird es sonst sehr kräftezehrend.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Um Charlie Chaplin zu zitieren: „Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag.“ Das gilt für mich sowohl privat als auch ganz besonders im Job – und wenn es manchmal vielleicht auch nur Galgenhumor ist.

Christin Clodius

Christin Clodius
Head of HR, ROLAND-Gruppe, Köln
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· Artikel im Heft ·

Fragen an Christin Clodius
Seite 46 bis 47
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Body Teil 1

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