Ausbildung von HR-Nachwuchs

Überblick: Einstieg in die Personalarbeit

Junge Menschen, die den Einstieg im Bereich Human Resources (HR) suchen, stehen vor vielen Unwägbarkeiten. Die beiden drängendsten Fragen scheinen hierbei die Wahl des Studiengangs sowie die des richtigen Einstiegsjobs zu sein. Diesen beiden Fragen soll im Rahmen dieses Beitrags nachgegangen werden. Gleichzeitig könnte man auch ohne Studienabschluss im HR-Bereich tätig werden, nämlich mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung (z. B. zum/zur Personaldienstleistungskaufmann/-frau), idealerweise ergänzt um eine einschlägige Fortbildung (z. B. zum/zur Personalfachkaufmann/-frau). Dieser Beitrag beleuchtet jedoch aufgrund des limitierten Umfangs ausschließlich die Perspektiven für Studierende und Absolventen der einschlägigen HR-Studiengänge.

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 Bild: Zarya Maxim/stock.adobe.com
Bild: Zarya Maxim/stock.adobe.com

Studienangebot deutscher Hochschulen im HR-Bereich

HR-Interessierte haben, allem Anschein nach, die Qual der Wahl: In über 57 Studiengängen im gesamten Bundesgebiet werden Studierende spezialisiert auf HR ausgebildet. Um dies übersichtlicher darzustellen, wird das gegenwärtige Studienangebot nach Abschluss (Master/Bachelor), Hochschulart (Universität – Uni/Fachhochschule – FH) und Trägerschaft (privat/staatlich) geclustert aufbereitet und abgebildet.

Größtes Studienangebot an staatlichen Fachhochschulen

Auffällig ist zunächst, dass das Studienangebot im HR-Bereich an staatlichen Fachhochschulen mit Masterabschluss am größten ist. Zudem überwiegen süddeutsche Standorte. Die Auswahl an HR-Studiengängen bei privaten Fachhochschulen ist regional breiter aufgestellt, da nicht staatliche Träger häufig mehrere Standorte haben. Ihr Angebot ist nur etwas kleiner als das der staatlichen Institutionen. Augenscheinlich ist auch, dass die meisten HR-Studiengänge nicht für eine bestimmte Berufsgruppe (z. B. Recruiting, Personalentwicklung, Compensation & Benefits – C & B) ausbilden, sondern eher universell im Bereich HR. Spezialisierte Studiengänge, wie das Masterprogramm der ISM mit „Human Resources Management & Digital Transformation“, der also bestimmte Zukunftsthemen wie die Digitalisierung aufgreift, oder der Masterstudiengang der Universität Koblenz/Landau namens „Erziehungswissenschaft/Betriebspädagogik/Personalentwicklung“, der also für einen bestimmten Funktionsbereich (Personalentwicklung und Training) ausbildet, sind eher selten.

Fokus Studiengang „Personal & Arbeit“

Um die Fülle des gegenwärtigen Studienangebots etwas greifbarer zu machen, wird im Folgenden das Masterprogramm „Personal & Arbeit“ der Hochschule Hof exemplarisch näher dargestellt (vgl. Internetpräsenz der Hochschule Hof, Stand 22.3.2021):

Zulassungsvoraussetzungen: Ein abgeschlossenes, grundständiges Studium in Wirtschaftsrecht, Betriebswirtschaft oder Rechtswissenschaften von mindestens 210 ECTS (European Credit Transfer System) mit der Note von mindestens 2,5 oder 8,0 (juristische Prüfungssystematik). Zudem müssen Module zu den Grundlagen des Personalmanagements und des Wirtschaftsrechts (je 5 ECTS) absolviert worden sein.

Kosten: Es fällt nur der Studentenwerksbeitrag i. H. v. ca. 100 Euro/Semester an.

Schwerpunkte: Es ist entweder ein rechts- oder wirtschaftswissenschaftliches Profil wählbar. Vertiefungsveranstaltungen sind z. B. „Europäisches und internationales Arbeitsrecht“ (rechtliches Profil) oder „Personalauswahl und Personalmarketing“ (wirtschaftswissenschaftliches Profil).

Internationalität: Teilweise werden neben den deutschen auch internationale Studieninhalte vermittelt bzw. ist die Unterrichtssprache Englisch. Nach dem zweiten Fachsemester kann zudem, z. B. als Urlaubssemester, ein Mobilitätssemester eingelegt werden. Die Hochschule Hof verfügt über ein Netzwerk an verschiedenen internationalen Partnerhochschulen, z. B. in Indien, Kirgistan und Rumänien.

Praxisbezug: Während im zweiten Semester ein Projekt zu bearbeiten ist, ist im dritten Semester, in dem die Masterthesis geschrieben werden soll, auch ein Pflichtpraktikum vorgesehen. Hierbei werden grundsätzlich auch Auslandspraktika angerechnet.

Abschluss: Masterabschluss als Master of Arts (M. A.) oder Master of Laws (L. L. M.) in Abhängigkeit des Erststudiums. Der Studiengang ist in Vollzeit mit einer Regelstudienzeit von drei Semestern mit 90 ECTS zu absolvieren.

Berufsziel: Das Masterprogramm der Hochschule Hof bildet Studierende grundsätzlich für eine Management- oder Fachreferentenaufgabe im Bereich Personal oder Recht in allen gängigen Organisationen aus.

Stellenausschreibungen für Berufseinsteiger

Haben junge Absolventen ihren Studienabschluss in der Tasche, stellt sich auch zügig die Frage nach dem Berufseinstieg. Daher wird im nächsten Schritt konkret geschaut, wo die besten Berufseinstiegschancen im HR-Bereich für junge Menschen liegen. Hierzu wurden alle Stellenausschreibungen des Jobportals StepStone im HR-Bereich, geclustert nach Branche und Funktionsbereich, für Bewerber ohne Berufserfahrung zum Stichtag ausgewertet und aufbereitet. Zunächst während einer Krise (Corona-Lockdown, März 2021), anschließend während eines Booms (Corona-Turnaround, November 2021).

Profitieren Sie vom Expertenwissen renommierter Fachanwält:innen, die Sie über aktuelle Entscheidungen des Arbeitsrechts informieren. Es werden Konsequenzen für die Praxis benannt und Handlungsempfehlungen ausgesprochen.

Operativer HR-Bereich

Es zeigt sich zunächst, dass konjunkturunabhängig die meisten Stellen für junge Berufseinsteiger ohne Berufserfahrung im operativen HR-Bereich zu vergeben sind. Gegenüber dem Zweitplatzierten waren es hier zum Stichtag mehr als doppelt so viele Stellen im Recruiting im Vergleich zur HR-Beratung. Aber auch die HR-Administration, worunter die Themen Arbeitszeugnis- und Arbeitsvertragserstellung sowie Bescheinigungswesen, Zeitwirtschaft usw. fallen dürften, bot viele Betätigungsmöglichkeiten. Dabei ist das Feld HR-Beratung in der hier vorliegenden Stichprobe eher differenziert zu sehen: Während in den beratungsintensiven Branchen „Personaldienstleistungen“, „sonstige Dienstleitungen“ sowie „Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung, Recht“ ganz eindeutig zahlreiche Berufseinsteiger gesucht werden, war der Bedarf in den übrigen Branchen unterdurchschnittlich niedrig. Woran könnte das liegen? Eine mögliche Erklärung wäre, dass die übrigen, meist industrie- und finanzmarktnahen Branchen keine externe HR-Beratung anbieten, sondern dass diese Aufgaben vor allem von den o. g. beratungsintensiven Branchen eingekauft werden. Zum anderen ist augenscheinlich, dass gerade die strategischen, komplexeren, eher hochwertigeren und führungsrelevanten Funktionen („Training“, „C & B“ und „Leitung“) lieber in die Hand berufserfahrener Experten gelegt werden. Hier sind verhältnismäßig wenig Einsteigerjobs zu vergeben. Dies trifft in den nicht beratungsnahen Branchen allem Anschein nach auch auf das Feld HR-Beratung zu. Dabei ist die strategische Personalentwicklung oftmals ein sehr beliebter Bereich für Studenten, Praktika zu absolvieren und den Berufseinstieg zu suchen. Davon kann angesichts dieser Zahlen jedoch nur abgeraten werden. Wer sich z. B. aufs Recruiting fokussiert, hat deutlich bessere Jobchancen. Darüber hinaus wird die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung („Lohn“) ebenso eher bei gestandenen Fachleuten gesehen.

Bleiben zu guter Letzt die sonstigen HR-Jobs: Zunächst werden verhältnismäßig und auffällig viele Einsteigerjobs hier vergeben. Dies muss aber kritisch gesehen werden, da viele Arbeitgeber hierunter auch Ausbildungsplätze o. ä. verstanden haben, die nur über HR-Budgets abgerechnet werden, aber keine echten Einsteigerjobs sind.

Junge Berufseinsteiger gefragt

Bezüglich der Branchen ist zu verzeichnen, dass vor allem die mittelständisch geprägten, atomisierten, mit eher jungen Unternehmen durchsetzten und mit den niedrigeren Gehaltsstrukturen ausgestatteten Branchen junge Menschen einstellen wollen. Auf den vorderen Plätzen landen daher insbesondere die HR-beratungsnahen Dienstleistungssektoren mit „Personaldienstleistungen“ und „Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung, Recht“, aber auch „IT und Internet“, „sonstige Dienstleitungen“ und „Groß- und Einzelhandel“. Es scheint, dass die industrie- und finanzmarktnahen Branchen mit den zahlungskräftigen und imageträchtigen Großunternehmen bevorzugt berufserfahrene Kandidaten einstellen. Dieses Phänomen überrascht, da die letztgenannte Gruppe von Unternehmen nach den üblichen Absolventenbefragungen als die attraktivsten Arbeitgeber gesehen werden, wohingegen die Unternehmen der Branche, die am meisten HR-Absolventen einstellen möchte („Personaldienstleistungen“), in den Rankings weit abgeschlagen auftauchen (vgl. Internetpräsenz der Trendence Institut GmbH, Stand 22.3.2021).

Fokus Stellenausschreibung

Um bei dem Thema Berufseinstieg im HR-Bereich noch etwas näher ins Detail zu gehen, soll nun eine typische Position für junge HR-Berufseinsteiger näher betrachtet werden. Dies ist ohne Zweifel der Beruf des Headhunters, hier exemplarisch dargestellt an der Stellenausschreibung des Personalberaters/Recruitment Consultants der SThree GmbH. Die in Übersicht 4 dargestellten Aufgaben, Anforderungen und Benefits werden hierbei benannt.

Vertriebserfahrung erwünscht

Augenscheinlich ist hierbei zunächst, dass die Internationalität, die vielen Studierenden und jungen Berufseinsteigern heutzutage wichtig ist, keine Rolle spielt. Vielmehr werden erste Erfahrungen im Vertrieb, insbesondere in der telefonischen Neukundenakquise, als wünschenswert deklariert. Junge HR-Berufseinsteiger täten daher gut daran, neben Praktika im HR-Bereich auch Erfahrungen im Vertrieb, idealerweise bei einem Personaldienstleister, zu sammeln. Der Irrglaube vieler gerade junger Menschen, dass klangvollen Namen renommierter Arbeitgeber oder gar ausgezeichneten Noten und Stipendien Beachtung geschenkt werden würde, konnte anhand dieser Stellenausschreibung nicht bestätigt werden. Auch die weit verbreitete Strategie, erst eine kaufmännische Berufsausbildung zu absolvieren und dann ein wirtschaftswissenschaftliches Studium anzuschließen, würde Kandidaten, zumindest beim Auswahlprozess von SThree, keine Vorteile verschaffen.

Fazit

Jungen Nachwuchskräften ist an dieser Stelle zu empfehlen, für den Berufseinstieg zunächst einen eher universellen Bachelorabschluss, z. B. in Betriebswirtschaft, Psychologie oder Recht, zu erwerben, um darauf aufbauend einen Masterabschluss mit Fokus auf den HR-Bereich zu erreichen. Grund hierfür ist das knappe Studienangebot beim Bachelorabschluss mit Schwerpunkt HR, verglichen mit denen des Masters. Außerdem hat sich herausgestellt, dass die Auswahl an HR-Studiengängen gerade an den süddeutschen staatlichen Fachhochschulen am größten ist.

Für den anschließenden Berufseinstieg sei geraten, sich auf die Bereiche Recruiting und HR-Administration zu konzentrieren, da die allseits beliebte strategische Personalentwicklung nur höchstens mittelmäßige Berufseinstiegschancen bietet. Auch bei der Wahl der Branche sei darauf zu achten, sich möglichst für die HR-beratungsnahen Branchen zu entscheiden. Personaldienstleistungen, Beratung (in jeglicher Form) sowie IT- und Internetunternehmen sind hier am erfolgversprechendsten in Hinblick auf den späteren Berufseinstieg. Neben dem gängigen Wunschfunktionsbereich junger Menschen, der Personalentwicklung, steht dabei auch die übliche Branchenvorliebe, vor allem für die großen Automobilmarken (Mercedes-Benz, BMW, Audi) tätig werden zu wollen, im krassen Widerspruch zu den tatsächlich günstigsten Berufseinstiegschancen im HR-Bereich.

Bastian Jacobsen

Bastian Jacobsen
Absolvent im Masterstudiengang Management & Human Resources, M. A., Leuphana Universität Lüneburg
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· Artikel im Heft ·

Ausbildung von HR-Nachwuchs
Seite 40 bis 45
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